Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erinnerungen an Carl Rahl
Person:
George-Mayer, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3546300
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3547267
Es kam allerdings noch eine Abstimmung zu Stande, 
welche aber nur constatirte, wie sehr mein vorgebrachter Antrag, 
zur 1ineipe überzugehen, das Rechte traf, und so endete dieser 
Schlag ins7s Wasser mit einem Umschlag inls Biertrinken. Nur 
Eines wurde wirklich beschlossen und in Ausführung gebracht: Dass; 
wir auch getrennt in Akademiker und Rc1hl:Schüler doch noch ferner 
in de.r beginnenden Wintersaison Abends in Gemeinschaft kneipten. 
Wir kamen einige Wochen lang nach den Ferien zusammen, 
und es nimmt mich heute noch Wunder, das; wir nicht aufge: 
hoben wurden, wie es bei anderen Gesellschaften der Fall war, 
die sich regelmäßig zu versamn1eln pflegten. 
In Folge einiger Vorkommnisse gelang es mehreren weiter: 
blickenden Collegen, uns zum freiwilligen Aufgeben unseres 
Stammlocales zu vermögen, was auch geräuschlos geschah. Es 
war gewiß höchste Zeit und ein Glück für mich, da ich die be: 
sondere Missio11 gehabt, Jedem neu Eintretenden, sein politisch 
und religiöses Glaubensbekenntnis; abzufragen. Dann wurde getrost 
Bruderschaft getrunken mit Leuten, deren Provenienz in den 
meisten Fällen kaum bekannt war. Freilich waren das nur tönende 
Phrasen im Zi7unde von höchst harmlosen Jünglingen, deren 
wenigste daran dachten, sich in thatsächliche Opposition mit Staat 
und Kirche zu setzen; aber es hätte genügt, uns damals in sehr 
ernstliche und dauernde Verlegenheiten, wenn nicht gar um unsere 
ganze Zukunft zu bringen, wofür es traurige Beispiele gab, wie 
das erschütternde Todesloos Cäsar Bezarlsl Ich dankte meinem 
guten Genius, der mich vor den kaum geahnten Gefahren und 
sicherem Verderben bewahrte. 
Es wären da interessante Details zu erzählen, werth, daß 
sie der Vergessenheit entrissen werden. Aber sie mögen vorläufig 
noch oersehwiegen bleiben, denn es ist nicht der Zweck dieser 
Blätter, mehr als anzudeuten den dunklen Hintergrund, auf 
welchem sich unsere helle Jugendfreude bewegte, und von welchem 
sie ihr Relief erhielt. Es ist aber nothwendig gewesen, so viel 
davon zu erwähnen, damit 2Nanches.erklärlich werde, was nur 
darin seinen Grund hatte, und auch unserer Gedanken: und Ge: 
schmacksrichtung in intellectueller und artistischer Beziehung die 
Signatur verlieh. 
        

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