Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erinnerungen an Carl Rahl
Person:
George-Mayer, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3546300
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3547198
21kich hatte schon K upelwies er beehrt gehabt und.meine 
Arbeit gnädig beurtheilt, als etwa am zweiten oder dritten Tage, 
wo wir bereits malten, Rahl in meine Nähe kam und ich ihn 
aus Neugierde, um seine Art kennen zu lernen, einlud, mich zu 
corrigiren. Er nahm die Arbeit in Augenschein, blickte zwischen 
ihr und dem 2Nodell ein paarmal hin und her und erklärte meine 
Leistung kurzweg für ,,manierirtH. 
ZI7anierirtI Das Wort erschreckte mich förmlich; ich hatte 
eine heilige Scheu davor. Ja, was hatte ich denn verbrochenT 
Ich hatte so wie im Curs vorher, und wie es allgemeiner Brauch 
war, das 217odell etwas frei übersetzt, was man als ,,stYlis1rtH 
bezeichnete, zu deutsch und nach Rahlls Erklärung aber schlecht 
abzeichnen, lüderlich hinschauen hieß. Eine Studie solle genau 
sein, verlangte er. Und ich dac2te dagegen: dann istts ja ein 
Porträt; und Rahl ging auch wirklich daran, ein solches daraus 
zu machen, und obwohl es mich anfänglich verschnupfte, so rauh 
angelassen zu werden, fand ich doch bald, daß er eigentlich 
Recht habe. 
Aber ein besonderer Umstand gewann ihm schon damals 
mein Herz.iEr mußte denselben Augenfehler haben, wie ich, 
denn er sah ebenfalls ,,griineH 2Nezzotinten, während Kupel: 
wie s er dieselben immer violett mit Eisenviolett und weiß angab; 
ebenso malte der gefeierte Passini, der vorgeschrittenste und 
begabteste Schüler des letzten Curses, Alles, was mir, grünlich: 
grau erschien, violett; mein schüchterner Versuch, doch meinem 
Auge zu trauen, wurde mit einem allgemeinen HallohI als 
Paperlgrün verlacht und dann als Augenfehler bemitleidet. Ich 
machte also, belehrt, stets wo ich grün sah, roth und dadurch 
war der Friede wieder hergestellt gewesen. Da kommt nun plötzlich 
dieser neue Professor Rahl und erklärt: es gäbe griinlichgraue 
aber nicht roth:violette Uebergänge. Auch müsse man ganz genau 
die Natur nachmachen lernen und sich keine Aenderungen ser: 
lauben; zur Zeit habe man das Nachahn1en, das Treffen von 
Form und Farbe zu erlernen, zu übenl An den guten Bildern 
des Saales, einem Bonifazio, Tintoretto und mehreren Paul 
Ver0nese zeigte er uns, wie wahr, wie sorgfältig man zeichnen 
müsse, um dann zu künstlerischer Freiheit zu gelangen. ,,Nur das
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.