Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erinnerungen an Carl Rahl
Person:
George-Mayer, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3546300
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3547090
aber nicht nach Erwartung ausgefallen war, weil dessen Vater, 
der Kupferstecher, hinter ihm stand und hineinredete. Steinfeld 
war eine marcante Persönlichkeit; sein kräftig gefärbtes Antlitz 
mit einem großen, gelblichweisZen Schnurrbart sehr martialisch 
geschmückt. Er sah mehr einem Husaren:Rittmeister, als einem 
21Taler gleich, besonders in seiner Bürgerossiciers: und späteren 
Nationalgarde:Uniform hätte man entschieden fehl gerathen. 1J 
Bei diesen Nachmittagsbesuchen erzählte Steinfeld gerne 
aus seiner eigenen Jugend: und Studienzeit, wie er die Akademie 
unter Brandt kennen lernte und seinen eigenen Weg zu gehen 
begann, dessen product dann ,,Die verlassene 2Nühlett zum 5ensa: 
tionsstück wurde, ein Ereignis; bildete, vom Hofe angekauft, in das 
Belvedere kam, seinen Ruf begründete u. s. w. Es war interessant 
ihm zuzuhören. Seine Besuche bei uns fanden aber eine 2I7iß: 
deutung, und er verwahrte sich einmal ernstlich, daß er in keinerlei 
Auftrag käme, keine andere Absicht damit verbinde, als sich mit 
uns zu unterhalten, da er ein Freund strebsamer Jugend sei. 
ZNan hielt ihn für eine Art Controlor unseres Thuns und 
Treibens. Daß er es nicht war und keinerlei Relationen an 
das Präsidium lieferte, möge folgende EPisode erhärten. 
Ein 21Iitschüler, der uns oft zum Stichblatt des Witzes 
diente, war, vor unseren Neckereien entrüstet, auf den Abort 
hinaus entwichen und wir beschlossen schnell, ihm eine grosse 
EmPfangs.feierlichkeitzu improvisiren, wozu sich Alle gleich bereit 
erklärten und die sonderbarsten Z17etamorphosen mit Ich vor: 
nahmen. 
Es war ein HauptspasZ und ein köstlicher Anblick, diesen 
langen Zug von fratzenhaft vermummten Gestalten in geschlossener 
Reihe und gespanntester Erwartung des entscheidenden Moi11ente5 
harren zu sehen, wo die Thüre ausgehen und dem arglos Ein: 
tretenden ein blechener SLichtschirm als Krone aufgestülpt werden 
sollte. Dann wollten wir ihm Parodistisch huldigen als unserm 
König. Es war eine Vorahnung des jetzt so berühmt gewordenen 
1J 5feinfcld war auch F. F. Kammermaler, ein Hoftitel, auf den 
er stolz war, und es sehr übel nahm, al5 der alte Geiling sich den Scherz 
erlaubte, zu behaupten, er sei mehr als der alte Steinfeld, denn er sei 
k. k. Hof:Zimmer: und Kammermaler.
        

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