Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erinnerungen an Carl Rahl
Person:
George-Mayer, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3546300
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3547072
anders. ,,Ja was soll ich denn da9H frug er mich, als ich ihm 
mein Reisbrett zur Disposition stellte. ,,Jhnen einen ganz neuen 
Act zeichnenPU Dann fuhr er fort: ,,Bleiben Sie noch eine Weile 
in1 Antikensaal, Sie nnd zu schwach für das Naturzeichnen.H 
Und fort ging er; mit Thränen in den Augen zog ich ab. Aber 
freilich hatte er Recht. 
Dafür verfuhr er am Tage sehr gnädig mit mir, wie 
es auck natürlich war, da ich im Kopfzimmer bein1 Zlialen 
fast so nahe zum Ersten hatte, als im Actzeichnen zum Leisten. 
Ein 21iitschüler, eine EiselesErscheinung, wurde ähnlich wie ich 
des Abends, eines schönen Morgens von ihm zum GYpszeichnen 
verwiesen und dabei geradezu als talentlos bezeichnet, was un: 
geheures Aufsehen machte, da man früher nie nach dem Talente 
der Leute gefragt und notorisch TalentloseO seit zehn Jahren un: 
angefochten ihr Wesen auf der unentgeltlichen ,,freien AkademieH 
trieben.  
Prof. Führich, von dem Jeder wußte, daß der Pinsel 
nicht sein Feld war, kam nur, weil er mußte, und ging so schnell 
als er konnte, sich meist mit einem flüchtigen Blick, einem ,,recht 
bravH oder sonst einem aufn1unternden Wort genügen lassend. 
Er kam im Kopfzimmer fast nicht in Betrac2t, so sehr er als 
Compos1teur allgemein geachtet, wegen seines ,,NazarenerthumsH 
aber wenig populär war. Er lobte meine ,,RoutineU in der 
Pinselführung, in den ersten NTonaten meines U7alens. 
Nun kam Johann Ender, ein kleines, krausköpfiges 
2l7ännchen, von dem Einer sagte: ,,1ilein, aber jeder Zoll ein 
1cünstler.H Seine erste Frage war: ,.Welchen Theil des Kopfes 
malen Sie heutePU Er war für stückweises Arbeiten und erklärte 
das Uebermalen auf Papier für unstatthaft; ,,sonst wird es 
schwarz,H gab er uns als Grund an. 
Wir glaubten daher, daß es ihm sehr wichtig scheine, dass 
unsere Studien ,,ohne NachdunkelnU auf die Nachwelt kämen, 
und malten diese Woche in Raten, was Kupelwies er in seiner 
Woche wieder nicht litt, da es nach Waldmüller, idem Oppo: 
nenten der Akademie, schmeckte. 
E n d e r malte mir unverdrossen eine Stirne oder ein Auge und 
pfiff gerne dabei ;i sonst wüßte ich nichts 217arkantes von ihm zu sagen.
        

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