Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erinnerungen an Carl Rahl
Person:
George-Mayer, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3546300
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3548128
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Franz blieb bis zu Rahlis Tode. Er hätte auch schwerlich einen 
passenderen 21Tenschen gefunden. 
Rahl hatte in früherer Zeit stets zu Hause gegessen, wo 
ihm Franz das obligate ,,Roftbratlss und noch obligatere 217acaroni 
kochte; später hatte er auch oft nod7 Gäste. Nun ging er aber 
zu1n ,,Erzherzog CarlH speisen, wo er mit Schrotzberg, Raub, 
RadnitZkY und Pettenhofen zusammentraf und manchmal 
auch in7s Gespräch kam. Der Letztere verßcherte R a hl einmal: ,,Er 
verstehe zwar nichts vom bYzantinischen 5tYI, aber Hanssenis 
griechische Kirche scheine ihm doch nicht richtig.U  ,,Na,ss sagte 
R ahl, ,,Sie können miris getrost glauben, ich weiss der Hatt s en 
versteht sich darauf und weiß, was er zu machen hat.H 
ZNit Schn1itson, der in1 selben Hause unter RahI wohnte, 
verkehrte er auch gelegentlich; sie tauschten lebhaft ihre Mei1Iungen 
aus, ohne sich zu entzweien. Rahl anerkannte dessen Begabung. 
,,Der Ma111i hat eben andere 2lnschauungen,U sagte er zu mir, 
,,und arbeitet für ein anderes Publikum, aber er kann das, was 
er will, ganz vorzüglich.H 
Vom Essen weg ging Rahl in Sagortzl Kaffeehaus CHimmel: 
pfortgaffeI. Dort spielte ich manchmal mit ihm Schach; wie 
wir Beide spielten, möge ein Beispiel beweisen: Rahl griff, seiner 
energischen Natur gemäß, gleich lebhaft an, ohne viel nachzudenken, 
sein 2lugenmerk nur auf einen Punkt gerichtet, und so kam es, 
daß ich mich, seiner erwehrend, von uns Beiden unbemerkt, in 
einem ,,2lbzugsschachU befand. 
Ein fremder, alter Herr, feine Pfeife rauchend, saß als 
Zuschauer dabei, plötzlich wurde er auffal1end unruhig, pustete und 
dampfte gewaltig, aber als wohlerzogener Kiebitz schwieg er. 
Ich merkte, daß er eine Ungehörigkeit entdeckt habe, folgte seineni 
Blicke und sah meinen König von ,einem fernstehenden Täufer be: 
droht.  Ich wollte schnell Abhilfe schaffen, ohne Rahl es 
merken zu lassen, fand aber nicht Zeit, da Rahl immerfort an: 
griff; so verging Zug um Zug und endlich dem Kiebitz, ob 
dieser Ungeheuerlichkeit, die Geduld, trotzdem ich ihm schweigen: 
gebietende Blicke zuwarf. Er sprang plötzlich auf, tippte mit 
dem Finger auf die entscheidende Figur und entfernte sich rasch. 
Rahl sah nun, was es gab. ,,Na Siel Sakrament, das ist
        

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