Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erinnerungen an Carl Rahl
Person:
George-Mayer, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3546300
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3547807
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lassen für mein Geld.U Da stutzte der Graf, und Rahl sammt 
seiner Hulda lachten ihn aus. 
Rahl malte seine Schöne nackt auf einem Tiger reitend, 
wie sie dem Amor befiehlt, den Pfeil auf Einen abzudriicken; 
er dachte dabei gewiss an seinen ungliicklichen Nebenbuhler. 
Ein andermal schilderte er uns, wie er in Rom in van 
Uken7s 2Nenagerie, zwei Löwen nach der Natur malte; er hatte 
sich die Erlaubniß erwirkt und kam Vormittags in den leeren 
Circus, sich vor dem Käfig in Bereitschaft fetzend; da kam von 
2lken und frug ihn, ob ihm das Gitter nicht störend feiP ,,Freilich1tt 
meinte Rahl. Dem ist leicht abgeholfen, und flugs waren ein 
paar Leute beordert, das Gitter auszuheben. ,,Naltt dachte Ruh l, 
,,so hab ich7s nicht gemeinttt, aber er suchte sich bestmöglichst 
ZNuth zu heucheln. Als aber der Thierbändiger fand, daß aussen 
vor dem Käfig das Licht besser sei, und gleichzeitig mit der Ren: 
Peitsche die beiden Bestien bewog, einen Sprung auf den Boden 
zu thun, da hielt Rahl,s Courage nicht mehr vor, und er sprang 
entsetzt über einige Bän,ke dem 2lusgange zu, aber van 2lken rief 
ihm nach: ,,Springen müssen Sie nicht, das könnte die Neugierde 
der Thiere erregen.U Da blieb Rahl angewurzelt auf der Stelle 
und wagte weder vor: noch rückwärts einen Schritt zu thun, bis 
ihn der lächelnde QJuälgeist versicherte, er könne ganz ruhig zu 
seiner Staffelei gehen, die Thiere, welche sich gelagert hatten, 
würden ganz ruhig liegen bleiben, und auf den Rücken des Einen 
sich niedersetzend, ruhig eine Cigarre anzündete. Rahl kam 
allmälig näher und begann endlich mit zitternder Hand den Con:. 
tour zu entwerfen, immer gewärtig, von seinen 21kodellen gefressen 
zu werden, abervder Löwe schloß die Augen und schlief ruhig, 
nur die Löwin blieb wach und schien etwas von weiblicher Neu: 
gierde zu besitzen und nicht übel Lust zu haben ihr Porträt zu 
betrachten, für welche 2lnwandlung aber van 2lken,s eiserner Reit: 
gertenknopf ihre Nase berührte; das kalte Eisen schien kalmirend 
zu wirken, und sie machten nur einige Gesichter, welche Rahl in 
ergötZlichster Weise uns vormad7te, wobei er einige nasale Laute 
ausstieß, das; man leibhaftig einen Löwen vor sich zu haben 
glaubte. ,,Nach und nach,tt erzählte er weiter, ,,kam ich in Fluß 
und malte eifrig und fast furchtlos die Studie zu Ende.U
        

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