Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erinnerungen an Carl Rahl
Person:
George-Mayer, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3546300
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3547709
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8Lohn zu leisten hatte, denn R.ahl fiel es gar nicht ein, meine 
Unschuld an dieser Neugestaltung in Erwägung zu ziehen, wie 
ihn1 überhaupt in Geldsachen eine fast komische Naivetät 
innewohnte.t 
Er hatte den Grundsatz aufgestellt: Junge Leute sollen 
viel leisten und wenig dafür beanspruchen; freilich konnte er auch 
dies mit thatsächlichen BeisPielen aus seiner eigenen Entwicklungs 
zeit belegen. Er malte ein großes 2lltarbild für die Piaristenkirche 
um x00 fl. und hatte dabei noch zu erdulden, dass man ihm die 
unteren, überlebensgrosJ;en Figuren in Folge einer verfehlten 2Nas5: 
angabe rücksichtslos entzwei schnitt.  ,,2lls ich meinen ,,217anfredH 
statt in halber 8Lebensgröße überlebensgrof5 gemalt hatte, war 
ich l50 fl. auf mehr verausgabte Spesen, über das erhaltene 
nnd nicht vermehrte Honorar schuldig.U  ,,Jhr aber wollt 
wenig leisten und viel dafür bekon1men, und gleich von Anfang 
die großen Herren, die berühmten Künstler spielen.U 
Rahl fand, daß X bis 2 Gulden per Tag hinlänglic2 
gut bezahlt sei, da man davon ganz gut leben könne; Biertrinken 
und Cigarrenrauchen hielt er eben für ganz überflüssig. Für die 
Copie eines Brustbildes erhielt ich 30 Gulden, für eine ganze 
Figur t50 Gulden, und Rahl fand dies reichlich bezahlt. 
Freilich lernten wir dabei, und so mußten wir auch zufrieden 
sein, denn Bitterlich, Eisenmenger, Tot; und Grie: 
penkerl arbeiteten gleichfalls nach diesem ZNodu5 für ihn in 
der 2lnfangszeit. Später wurde es allerdings besser, als sich die 
Aufträge häuften, und er selbst mehr für seine Sachen forderte 
und erhielt. 
Jedenfalls war Rahl der billigste unter den berühmten 
Z1Talern. Un vielen seiner Leistungen mußte er sich mit der 
Ehre als Gewinn begnügen, und that es auch. Selbst fürsSina 
machte er ganz bescheidene Preise und wagte es nicht, seine Schüler 
zu protegiren, wie auch eine Stelle seines Briefes an mich beweist. 
,,Sonst laffenis die Leute nicht machen,H pflegte er uns zu 
trösten. Wenn man dagegen das Gebahren anderer Künstler 
betrachtet und den Umschwung innerhalb der Jahre seit Rahlis 
Tode überblickt, so erstaunt sman wahrhaftig und glaubt zu 
träumen.
        

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