Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Albrecht Adam
Person:
Adam, Albrecht Holland, Hyacinth
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3490150
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3491083
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das Licht aus den Augen, und die Strafe für mein thörichtes 
Beginnen, diesen Weg noch in der Nacht zu reiten, blieb nicht 
lange aus. Unversehens gerieth ich an einen tiefen, snmpfigen 
Graben. Mein Pferd stürzte hinein, als wäre es von einer 
Kugel niedergeschmettert. Da lagen wir Beide. Mit Mühe 
zog ich meinen rechten Fuß unter dem Pferde hervor und 
kroch endlich heraus. Was aus meinem Pferde geworden, 
wußte ich lange nicht, und hätte ich es nicht bisweilen stöhnen 
hören, so würde ich geglaubt haben, es sei todt. Trost: und 
rathlos saß ich nun eine gute halbe Stunde am Ufer, an 
einen Baum gelehnt und wollte den Morgen abwarten. In: 
des; fing mein Pferd an, Gras zu fressen und aus dem Bache 
zu sausen, zuletzt machte es auch Anstrengungen, selbst auszu: 
stehen, was ihm mit einiger Nachhilfe von meiner Seite müh: 
sam gelang. 
Nach einem Versuche, ob das arme Thier noch gehen 
könnte, saß ich wieder auf, aber es war ein Reiten zum Er: 
barmen. Ich selbst war von dem Sturze auf einer Seite naß, 
der Sattel voll Koth, die Zügel zerrissen. So schleppten wir 
uns mühselig mit einander fort, bis ich endlich ans dem Walde 
herauskam und abermals in der Ferne ein Licht erblickte, auf 
das ich lossteuerte. Es kam aus einem kleinen Bauernhause. 
Nach langem Klopfen und Rufen erschien endlich eine alte Frau 
mit gutmüthigem Gesichte an einem Fensterchen. Auf meine 
Bitten öffnete mir ihr Mann die Thüre. Es waren arme Tag: 
löhnersleute, der Mann war erst spät von der Arbeit nach Hause 
gekommen. Ich bat um einen Trunk Wasser und Brod. Der 
Mann theilte mit mir sein Drescherbrod und die Frau gab 
mir dazu ein paar grobe Nudeln, das Beste, was sie hatte. 
Ich wollte für dieses Labsal den Leuten etwas Geld geben, 
aber sie weigerten sich; nur mit Mühe konnte ich sie bewegen, 
zwölf Kreuzer anzunehmen. Der Mann begleitete mich auf 
die rechte Straße, auf der ich um 1 Uhr Mitternachts, nach 
einem abenteuerlichen Marsche Von zweiundzwanzig Stunden, 
endlich in Vohburg anlangte. 
Nach diesem erschöpfenden Tage dachte ich nun, auf einem
        

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