Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Albrecht Adam
Person:
Adam, Albrecht Holland, Hyacinth
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3490150
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3492786
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blick, entschlossen uns aber, vorwärts zu gehen und wo möglich 
rechts von der Straße abznlenken, um jenen aus dem Gesichte 
zu kommen. In einem etwas abgelegenen kleinen Thal machten 
wir Halt, um die Nacht znzubringen und abzuwarten, welche Aus: 
sichten uns der folgende Morgen eröffne. Der bisher so lästige 
Sturm legte sich, prachtvoll stieg der Vollmond herauf und warf 
einen Hoffnungsstrahl in meine Seele. Ich wurde zu allen 
Zeiten von Natnrschönheiten, besonders durch den gestirnten 
Himmel, leicht veranlaßt, die Plackereien des Alltagslebens zu 
vergessen. So ging es mir auch an diesem Abend. Auf einem 
Wiesengrnnde, durch den ein kleiner Bach floß, welcher uns 
und den Pferden das nöthige Trinkwasser bot, und unter dem 
Sternenzelte schlief ich nach kurzem Riickblicke auf die heutigen 
Ereignisse sanft und ruhig ein. Feuer hatten wir aus Furcht 
vor Entdeckung keines angezündet und begnitgten uns mit kalter 
Küche. Pelze und Mäntel schiitzten gegen den Nachtfrost. 
Ebenso sehr als der Anblick des aufgehenden Vollmondes 
mir innere Ruhe gebracht, erfreute mich am Morgen ein pracht: 
voller Sonnenaufgang. Es dauerte jedoch nicht lange, so über: 
zog sich der Horizont wieder mit finstern Wolken, der Sturm 
raste aufs neue und peitschte uns kalten Regen in das Gesicht, 
was einen widerlichen Contrast bildete zu der heitern Mond: 
nacht, die uns in so wohlthätiger Stille eines erquickenden 
Schlafes genießen ließ. 
Wir suchten von unserem Lagerplatze aus wieder die große 
Straße auf und zogen nicht lange auf dieser fort, als wir 
neuerdings von umhersdhweifenden, theilweise leichtverwundeten 
Soldaten Nachrichten bekamen, die geeignet waren, uns ge: 
griindete Besorgnisse für unsere Weiterfahrt einzuflößen. Sie 
hatten sich mit den Kosaken gerauft und durchgeschlagen, weil 
sie noch Munition besaßen. Gegen Mittag erscholl vor uns 
Kanonendonner, der aber nicht sehr lange anhielt. Es schien, 
daß eine größere französische Truppenabtheilung in der Nähe 
mit dem Feinde kämpfte. Indessen ging das alles seitwärts von 
der Straße vor sich zu unserer Linken. Der Kanonenrauch stieg 
hinter Waldungen empor, so daß wir nichts näher unterscheiden
        

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