Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bilder aus der neueren Kunstgeschichte
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475622
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3479577
Die 
und 
Wege 
Ziele 
der 
gegenwärtigen 
KuUsks 
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man doch auch einen Blick dem dicken Kerkermeister, der in aller 
Gemüthlichkeit sich zu feinem grausamen Handwerke anschickt. 
Nur eine einzige Stunde fehlt noch, um die sieben Jahre voll 
zu machen und die verzauberten Brüder zu befreien. Die Fee 
erscheint mit dem Stundenglase in den Lüften, und spricht der 
Bedrängten Trost zu. Eine gute Hilfe leisten aber auch die Bett: 
ler, die ihre Wohlthäterin nicht verlassen mögen, die Kerkerthür. 
stürmen, dem Vollzuge der Hinrichtung ein schweres Hindernis; 
entgegenset;.eu. Es sind dieselben Gestalten und Köpfe, die wir 
schon früher bei der Almosenspende erblickten, aber das Abstoßende 
und Uuheimliche ist dennoch verschwunden. Die Dankbarkeit hat 
die Züge verklärt, die Hoffnung, die Wohlthiiterin retten zu kön: 
neu, Hunger, Elend und Siechthuu1 vergessen lassen, Dank dieser 
Verzögerung verrinnt die legte Prüfuugsstunde, die Raben werden 
mit den von der getreuen Schwester gesponnenen Hemden beklei: 
det, entzaubert und eilen nun auf milchweis3en Rossen, von der 
Fee, einer wunderbar mächtigen, stolzschönen Gestalt, geführt, 
herbei, die Schwester vo1n Brandpfahle loszulösen. Dass sturm: 
gleiche Hernnbrausen der Brüder, der Liebesschmerz des Königs: 
sohnes, der am Fuße des Scheiterhaufens in sich versunken kniet, 
der Volksjubel iiber die unverhoffte Befreiung, die komifche Hast 
der flüchtenden Henker, all das Wogen und Drängen, der plötz: 
liche Wechsel in den Empfindungen, Alles ist gleich trefflich wie: 
dergegeben und stempelt das Bild zum würdigen Schluszsteine 
des ganzen Werkes. 
Von diesem selbst aber muß man bekennen, daß es den 
Reiz inuiger Poesie und den freudigen frischen Sinn für die leben: 
dige Wirklichkeit, die wir beinahe schon verloren wähnten, in 
harmonischer Vereinigung so selten erblicken, in gleich votlkom: 
menem Maße besitzt, daß es das einfach kindliche Gemüth wie die 
gereifte Lebenserfahrung gleichmäßig ergötzt, daß die eckigen, bis 
zur Sonderbarkeit durch ein rauhes Schicksal ausgearbeiteteu Cha: 
raktere eben so wahr geschildert find, wie das hold anmuthige 
Wesen ungetriibter Naturen. Es fehlt dem Bilderkreise weder die 
organische Durchbilduug der Co1nposition, noch die dramatische 
Kraft, darüber aber schwebt stets eine reine, reiche, überall zu: 
treffende Empfindung. 
Die Einkehr in das Volksthum, die Betonung nationaler
        

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