Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bilder aus der neueren Kunstgeschichte
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475622
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3479147
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Die 
Wege und 
der 
Ziele 
Kunst. 
gegenwärtigen 
fenbarung erschien, und auch übersehen sollen wir nicht, das; 
trotzdem die anderen Künste blühten. Die Musik und die bildenden 
Künste kreuzen sich nicht in ihren Wirkungen. Erfahren unsere 
inneren Empfindungen durch die Musik ihre künstlerische Verklä: 
rung, so wird dadurch das Bedürfniß, auch die äußere Gestalt, 
Alles was als Bild und Gefor1ntes unsere Augen trifft, in voll: 
kom1nener Reinheit zu schauen, nicht beseitigt, nicht erfüllt. Das 
Gleiche gilt von der Poesie. Auch ihr glänzendster Aufschwung 
erseht nicht den Wohllaut der Formen und den sinnigen Reich: 
thum des Schn1uckes, den wir in unserer Behausung, in den 
Räumen, wo wir unsere Jdeale bergen, zu erblicken wünschen, 
macht uns gegen die plastisOe und malerische Schönheit nicht 
gleichgültig. Jn der angeblich musikalischen oder poetischen Rich: 
tung unseres Zeitalters liegt also nicht das Hindernis; für die 
gedeihliche Entwickelung der bildenden Künste. Hemmen Schwie: 
rigkeiten ihren Weg, so müssen sie anderswo ausgesucht werden, 
zunächst in dem Emporkommen der Industrie, welche allerdings 
humane Zwecke fördert, aber durch die Massenproduction und den 
Triumph der Mechanik die Herrschaft des Geistlosen und Form: 
leeren begünstigt, dann noch in einem anderen Umstande. An 
alten Gedankenreihen wird gerüttclt, ohne daß die Grundlage 
neuer Anschauungen schon feststeht; der Ballast alter Ueberliefe: 
rungen droht uns zu Boden zu drücken, und dennoch können wir 
uns derselben nicht leicht entschlagen; mit allen früheren Weltaltern 
fühlen wir uns geistig verbunden, von jedem derselben sehen wir 
uns als Erben an und troZdem dürfen und wollen wir auf Orts 
ginalität und frische Selbständigkeit nicht verzichten. 
Die Größe dieser Schwierigkeiten soll man nicht unterschätz,en. 
Sie entziehen uns die einheitliche gesättigte Bildung, die Ruhe 
und Klarheit der Anschauungen. Zum trübseligen Verzichte auf 
die künstlerische Thittigkeit bewegen sie uns aber so lange nicht, 
als nicht bewiesen wird, daß die Natur alt und müde geworden, 
wie keine Riesen so auch keine Genies zu schaffen im Stande sei. 
Wir haben viel gewonnen, wenn wir nicht zu dem Glauben ge: 
trieben werden, das; unter der Herrschaft moderner Bildung jede 
künstlerisch angelegte Persönlichkeit nothwendig und grundsätzlich 
verderbe. Das Gegentheil beweist der Lebenslauf dreier Männer, 
die wir gleichzeitig auch als Reformatoren unserer Kunst begrüßen.
        

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