Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bilder aus der neueren Kunstgeschichte
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475622
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3478894
Die Kunst 
während 
französischen Revolution. 
der 
297 
werden, den Arrondissements blieben die Feste des Frühlings, 
der Erndte und der Weinlese, der Freiheit und der Wohlthätig: 
keit vorbehalten, den Departements gehörten die Feste der Jah: 
reszeiten, der Poesie und der Gleichheit, als Reichsfeste sollten die 
Erinnerungstage an den Beginn der Revolution l14. July, an 
die Einführung der Republik C10.AugustJ, an die Annahme der 
Verfassung und endlich das Fest der allgemeinen menschlichen 
Verbrüderung am Neujahrstage angesehen werden. Robespierre 
bemühte sich ebenfalls die nationalen Feste zu orgnnisiren und den 
sechsunddreißig Dekaden des Revolutionsjahres eine feierliche Be: 
stimmung zu verleihen. Von diesen Bestrebungen muß man 
Kenntniß nehmen, um die Kühnheit und das umfassende Wesen 
der revolutionären Aspirationen zu verstehen. Nicht das politische 
Individuum allein, sondern der ganze Mensch sollte einen Neue: 
rungsprozeß durchmachen, auch die Empfindung und Naturan: 
schauutig umgewandelt werden. Besonderes kunsthistorisches Jn: 
teresse erregt vor allen übrigen Pariser Festen nur noch das Fest 
des höchsten Wesens wegen des Antheiles, welchen abermals David 
an demselben hatte. Auch bei diesem aber fesselt noch mehr der 
Entwurf des Künstlers, der sich bei dieser Gelegenheit selbst über: 
bieten wollte und das Höchste versprach und erwartete, als die 
wirkliche, durch die ewigen Wiederholungen etwas trockene Aus: 
führung. David vergißt, daß seine Anstalten und Anordnungen 
sich nur auf die äußeren Sinne beziehen, er greift der Wirkung 
des Festes vor und schildert in poetischer Weise, vom begeisterten 
Gefühle hingerissen, den idealen Verlauf des Festtages. 
,,Bei dem Anblicke der aufgehenden Sonne, welche nach dem 
Convcntsdekrete nicht mehr als ein todter Naturkörper, sondern als 
das Werk einessgeistigen Schöpfers aufzufassen ist, herrscht allge: 
meiner Jubel und Wonne. Freunde, Geschwister, Gatten, Kinder 
und Greise Alles umarmt sich und eilt, die Vorbereitungen für den 
großen Tag zu treffen. Die Frauen schmücken sich, die Jünglinge 
greifen zu den Waffen, die Greise fühlen sich verjüngt. Die 
Glocken, die Trommeln, die Kanonen geben das Zeichen des 
Festbeginnes. Jm Jardin national nimmt die Feier ihren An: 
fang. Nachdem sich das Volk hier versammelt hat, der Convent 
und die öffentlichen Gewalten hinzugetreten sind, wird der Atheis: 
mirs seiner usurpirten Macht entsetzt. EineiRiescngruppe, aus
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.