Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bilder aus der neueren Kunstgeschichte
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475622
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3477819
Der 
und Kupfersticl1. 
HOkZfcJnitt 
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stiche nur selten gefunden werden, dagegen rücken die Grenzen 
des Darstellbaren weit hinaus.  
Der Maler ist kein gemeiner Abschreiber der Natur, aber 
bis zu einem gewissen Grade bleibt er doch von derselben ab: 
hängig nnd muß die Vergleichung seiner Werke mit ihren Er: 
scheinungsformen dulden. Die farbenreiche Hülle, in welche er 
seine Gedanken kleidet, lockt und blendet, sie bezaubert das Auge 
nnd entflammt die Empfindung, aber ist doch eine Hülle. Nackt 
nnd rein, wie die Phantasie den Kern des Gedankens geschaffen 
hat, läßt sich derselbe nichts 1nalerisch verkörpern. Da müssen 
Studien nach der Natur eingehend und sorgfältig gemacht wer: 
den, um das Charakteristische des Ausdrucks und der Bewegung 
auch sinnenfällig wahr zu machen, da ruft auch das Beiwerk 
nach einer aufmerksamen Behandlung, damit der lebendige Ton 
der Schilderung ein voller und ganzer werde. Dann ist noch die 
Farbenharmonie, die Luftperspektive zu beachten, den realen Be: 
dingungen des Daseins und Wirkens überhaupt nachzuspüren, 
lauter Aufgaben, welche nur durch eine fleißige Beobachtung, 
durch eine ernste und gründliche Aneignung der äußeren Erfchei: 
nungsformen gelöst werden können, wozu die gedankenreiche Phan: 
tasie allein nicht genügt. Hat der Maler die Jdee, welche er 
verkörpern will, klar erfaßt, hat er die Gruppirung, die Beine: 
gung, den Charakter der einzelnen Gestalten bei sich vollkommen 
erwogen, so darf er nicht etwa nur noch mechanisch das Colorit 
hinzufügen, die Uebertragung der Con1position in die farbige 
Erscheinung ist keineswegs Sache der bloßen Technik; gleich bei 
dem ersten Entwurfe muß er auf sein wichtigstes Wirkungsmittel 
Rücksicht nehmen, das ganze Bild bereits in seiner Phantasie in 
Farben schauen. Dadurch erhält die Thiitigkeit der leZteren ein 
besonderes Gepräge. Vorstellungen, welche nicht den vollen Son: 
nenschein des Lebens vertragen, nur im inneren Geiste ihr Dasein 
beschließen, wird sie scheu zurückweisen, Gedanken, Charaktere, 
Ausdrucksweisen, welche sich gegen die malerische Form spröde 
verhalten, wenn nicht bannen, so doch nach dem Maße der letzteren 
umgestalten, ängstlich sich bemühen, von ihrer Schöpfung den 
Vorwurf des Unmögiichen, von ihren Gestalten den Tadel, daß 
sie nicht existiren, nicht erscheinen können, zu entfernen. 
Wie ungleich sfreier bewegt sich der Holzschneider und Ku:
        

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