Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bilder aus der neueren Kunstgeschichte
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475622
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3477343
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und 
Disputa 
Rafael7s 
Schule 
VOU 
Athen. 
Wichtigkeit. Von einem Manne, der in der Mitte des sechszehnten 
Jahrhunderts schrieb, von der antihumanistischen Strömung be: 
reits selbst ergriffen war, kann man eine vollkotnmene Vertraut: 
heit mit humanistischen Anschauungen nicht erwarten. Genug, 
daß er uns einen deutlichen Fingerzeig gibt, der Gegenstand der 
Rafaelischen Bildes müsse aus humanistischen Vorstellungen erklärt 
werden. 
Wird dieses zugegeben, so ist auch das Schicksal der Hy: 
pothese,Rafael habe etwa an der Hand des Diogenes von LacZrte 
in der Schule von Athen die historische Entwickelung der griechi: 
schen Philosophie von ihren ältesten Anfängen bis zu ihrem 
Ausleben schildern wollen, entschieden. Nicht wie sich spätere 
Griechen das Schicksal der Philosophie zurecht legte1i, sondern, 
was die lexztere der Renaissanceperiode bedeutete, bildet den Ge: 
genstand der Darstellung. Im fünfzehnten Jahrhundert war aber 
eine chronologische Aufzählung der spekulativen Systeme keines: 
wegs voltsthümlich, ein desto grösseres Jnteresse dafür vorhanden 
ihr Verhältniss zum religiösen Glauben zu ergründen. 
Es treten uns auch in der Schule von Athen einzelne historische 
Persönlichkeiten entgegen. Außer dem Selbstbildnis3 gewahren 
wir das Portrait Peruginois, des Herzogs von Urbino und angeblich 
auch des Bramante. Solche den Zeitgenossen dargebrachte Huldi: 
gungen finden sich auch sonst auf RafaelischenWerken, insbeson: 
dere auf den meisten vatikanischen Fsresken. Dann erkennen wir 
deutlich, sei es an den Attributen, sei es an dem Gesiihtstypus 
Platon und Aristoteles, Sokrates, Diogenes mit der Schale und 
Ptolomäus. Zoroaster wird von Vasari dem Ptolomäus ange: 
reiht. Bei dem Umstande, daß Zoroaster im fünfzehnten Jahr: 
hnnderte nicht selten mit Platon und Pythagoras verglichen, 
seiner Lehre mit großem Eifer nachgeforscht wird, erscheint seine 
Aufnahme in den Personenkreis der Schule von Athen nicht un: 
wahrscheinlich. Ebenso ließe es sich rechtfertigen, daß der Orientale 
hinter dem sogenannten Phthagoras mit dem Namen Averroi5s 
bezeichnet wird. Um die mit dem Glauben nicht versöhnte Rich: 
tung der Philosophie zu charakterisiren, konnte Rasael keinen be: 
kanntereu Repräsentanten finden als den vielbekämpften Araber, 
der im Mittelalter in einen förmlichen Typus der Ungläubigkeit 
sich verwandelte. Wenn man aber auch für diese und vielleicht
        

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