Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bilder aus der neueren Kunstgeschichte
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475622
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475945
Das 
Mittelalter. 
Antike im 
der 
Nachleben 
sehränkt walten. Man riihn1t die Kraft der inneren religiösen 
Ueberzeugung, während thatsächlich die Gefahr drohte, daß das 
religiöse Leben äußerlich gefaßt, die gläubige Hingebung in me: 
chanische Werkthätigkeit verwandelt werde. Auf der anderen Seite 
ergeht man sieh in Klagen über die Rohheit des mittelalterlichen 
Formensinnes und die mangelhaste EntuJiekelung des Skhönheits: 
gefühles, obgleich zahlreiche Urkunden von der großen Riihrigkeit 
des Mittelalters auf allen Gebieten der Kunst sprechen. Ju einem 
einzigen Punkte herrscht vollkommene Uebereinstim1uuug, eine 
Eigenschaft wird dem Mittelalter von Tadleru und Lobredneru 
gleichmäßig zugesehrieben: Die Abkehr von der Autike, die 
Versihlossenheit gegenüber dem klassischeu AlterthunIe. 
Diese Ueberzeugung hilft eben so sehr die allgemeine Natur 
des Mittelalters beftinnnen, wie sie die Anschauungen von der 
Entwiekelung der bildenden Kunst beherrfcht und die Gliederung 
der kunsthistorischen Perioden regelt. Das fünfzehnte Jahrhuu: 
dert scheidet auf kiinstlerischem Gebiete zwei Weltalter; jenseits 
desselben in der mittelalterlicheu Welt waltet als bezeichnender 
Zug die Uukeuntniß der Autike, diesseits dagegen wird die Kunst 
des klassisehen Alterthums als Muster zur Nachahmung den Zeit: 
genossen aufgestellt und durch den begeisterteu Cultus der Antike 
der Umschwung der Kunst und ihr Aufschwung zur höihsten 
Reinheit bewirkt. Wenn eine Thatsaehe so beharrlieh, so allgemein 
als wahr behauptet wird, geräth man leieht in die Versuchung, 
sie gläubig anzunehmen. Jn diesem Falle treten noch sachliche 
Griinde hinzu, um das Mis;tranen gegen die Richtigkeit der Au: 
ficht zuriiekzuweisen. Spricht nicht aus jedem Bildwerle des Mit: 
telalters, aus den krausen Formen, dem verzerrten Ausdruck, 
der mangelhaften Zeichnung die geioaltfame Abkchr von dem 
antiken Jdeale, predigen nicht die Worte und Thateu hervorra: 
gender Männer des Mittelalters unverholen den Kunsthaß und 
Verachtung des Alterthu1ns2 
Da ist z. B. der Abt Eadmer von St. Alban, welcher aus: 
gegrabene Erzbilder als heidnifche Jdole unbarmherzig zerschlagen 
läßt. Mit großer Seelenruhe erzählt Matthäns Paris diese That, 
ähnlich wie ein anderer Mönchschronist mit fiihtbarem .Wohlge: 
fallen versichert, die Kaiserin Theophanu müsse ihre Vorliebe für 
die Künste des Luxus im Fegefeuer abbiißen. Wie abfällig sich
        

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