Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bilder aus der neueren Kunstgeschichte
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475622
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3477067
114 
Rafael7s 
DiSputa 
und 
Schule von 
Athen. 
Sind in den Rasaelischen Waudgemälden der DisPuta und 
der Schule von Athen in der That Lehrsysten1e auseinandergeseHt, 
erscheint in denselben die Geschichte einzelner Discipliuen ent: 
wickelt, so ruht das entscheidende Gewicht auf der Seite des Ja: 
haltes. Wie bei allen didaktischen Werken wird dann auch hier 
weder bei der Schöpfung noch bei der genießenden Betrachtung 
die Phantasie zu erhöhter Thätigkeit herangezogen. Der Beschauer 
tritt vor das Bild mit der Frage: Was und wen stellt die 
Gruppe, die einzelne Figur vor2 Bei Werken, welche das Lehr: 
hafte ihrer Schilderung nicht betonen, wird dieser Standpunkt 
der Neugierde augenblicklich überwunden, nnd das Auge wendet 
sich sofort zum Genuße der schönen Formen. Hier dagegen fehlt 
ihm die Muße, die letzteren zu betrachten. Hat der Beschauer den 
Inhalt nicht schon anderweitig sich angeeignet, so wird er Figur 
nach Figur, Gruppe nach Gruppe rathend prüfen, ob er auch, 
was und wen sie vorstellen, erkenne; besitzt er diese Kenntniß 
schon früher, so wird ihn die Uebereinstimmung des Bildinhaltes 
mit den vorausgeschickt Vorstellungen ausschließlich beschäftigen. 
In beiden Fällen wird das Auge unmittelbar von dem Ver: 
stande abgelöst, die Richti gkeit der Darstellung als schlies3licher 
Eindruck zurückbleiben. 
Die Unterweisung wird im Bilderwerke in angenehmer Form 
gegeben, aber das Angeneh1ne hat keinen selbständigen Werth, 
und wora11f es vorzugsweise ankommt, das Vorführen längerer 
Vorstellungsreihen, so kann dieses ohne merklichen Unterschied 
auch durch gestaltlose Worte geleistet werden. 
Auch bei dem Künstler erscheint dann nicht die Phantasie, 
sondern der Verstand als das wirksamerc Organ.  genügt 
nicht, das; ihm das Motiv in seinen allgemeinen Umrissen zur 
freien Belebung überliefert wird, da gerade die bestimmte Folge 
von Vorstellungen, die Richtigkeit der Schilderung im Besonderer: 
und Einzelnen das Bedeutungsvolle des Werkes bildet. Die Zahl 
der darzustelIenden Figuren, ihre Stellung und Gruppirung, ihr 
Ausdruck und Charakter, Alles wird dem Künstler vorher ange: 
geben und verdankt keineswegs erst seiner schöpferischen Phantasie 
das Dasein. Nicht sein Auge oder sein künstlerischer Sinn ent: 
scheidet über das Formelle des Bildes. 
Da es galt, die Entwickelung theologifcher Lehrbegrisfe in
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.