Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bilder aus der neueren Kunstgeschichte
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475622
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3476935
Leon 
Battista 
Alberti. 
l01 
seite anfgefas;t, handelte Alberti seiner kiinstlerifehen Ueberzeugung 
entsprechend, wenn er sie selbständig eomponirte, wie jedesOrna: 
n1ent als äußerlichen Schmuck behandelte. Andere Seiten seines 
Wesens illnstrirt die von ihm nn1gestaltete Kirche S. Franeeseo zu 
Rimini. Die Motive zur  nnvollendeten  Fac;,ade entlehnte 
er dem nahegelegenen Angnstnsbogen, an den beiden Langseiten 
ordnete er Nifchen an, in welchen SarkoPhage aufgestellt, die be: 
riihmtesten nnd tüchtigsten Männer der Stadt beigesetzt werden 
sollten. Die Begeisternng fiir die Antite lenkte seinen Formensinn, 
den religiösen Zweck des Baues glaubte er wirksam zu ergänzen, 
indem er diesen auch dem Cnltns der Todten wid1net. Und wen: 
den wir den Blick auf das einzige größere Profanwerk, das wir 
von Leon Battista besitzen, ans den Palazzo Rucellai in Florenz, 
so zeigt uns die Verbindung von Rnstika nnd Pilastern, hier 
wahrscheinlich zum ersten Male durchgeführt, das; für den Meister 
die Forderung, welche er an einen schönen Bau stellt: Vielglie: 
drigkeit nnd Harmonie, nicht blos auf dem Papiere bestand.  
So wenig wie Leon BattistaJs Knnsttheorie ist aneh sein 
praltifehes Wirken unbedingt tadellos. Einzelne seiner Lehren sind 
veraltet, die eine nnd die andere ,Behanptung willkürlich, an seinen 
Bauten haben bereits die Zeitgenossen mehr .Eigenthiimliches als 
Musterhaftes erblickt, zur Nachahmung sich nicht rasch, nicht all: 
gemein verleiten lassen. Willig dagegen erkannten sie an, das; i11 
Allem, was Leon Battista Alberti trieb, ein grosser und mächtiger 
Geist widerseheine. Als er hochbetagt in Rom 1477 starb, ver: 
zeichnete ein ,Chronist den Todesfall unter den denkwürdigen 
Jahresereignissen. ,,Ein Mann voll anmnthiger Gelehrsamkeit 
und holden Geistes ist von uns geschieden,H so schreibt der Chro: 
nist. Und er hat damit so wenig eine Schmeichelei gesagt, als 
ein anderer Zeitgenosse, Landini, der unsern Leon Battista als 
den geiftreiehsten nnd hun1ansten Mann seit Mensehengedenken 
schildert und von ihm versichert: Alles was Menschen zu wissen 
möglich sei, habe dieser ,,GöttlieheV  vir k1ivinissinius  gcswnf;t. 
Wer die siunstgefchichte als bloße Monnmentenkunde ans: 
faßt, läßt Leon Battista Alberti in die zweite Linie zurücktreten: 
wem es aber um Beweise xzn thun ist, daß in den bildenden 
Künsten sich die herrschende Bildung eben so deutlich ausspreche 
wie in der Poesie, in dem philosophischen Denken, der wird den
        

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