Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bilder aus der neueren Kunstgeschichte
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475622
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3476865
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Leon 
Battißa 
Alberti. 
Lasten bewegt, Körpermassen bindet und aufeinandersetzt, den 
Nutzen und den Lebensgenus; der Menschen fördert. Seine Auf: 
gaben lassen sich daher auch nicht mit einem engen Kreise nn1: 
schreiben; wer die ersteren lehren will, muß naturgemäß weit 
ausholen und Vieles umfassen. Dieser Verpflichtung genügt auch 
Leon Battista vollständig.  
Ehe er die Frage, wie man bauen soll, beantwortet, er: 
örtert er jene, wo ein Ba11 am besten angelegt werden könne. 
Die Lust, die Beschaffenheit des Bodens und des Wassers, die 
herrschende Windrichtung, die Nioeauverhältnisse, Alles wird 1nit 
großer Ausführlichkeit besprochen, durch Beispiele von der guten 
und schlechten Lage einer Stadt, von dem Eiusluße der Oertlich: 
keit auf die Bewohner erläutert. Was Leon Battista darüber 
sagt, ist nicht gerade neu; schon Bitruv wid1net demselben Gegen: 
stande ein eigenes Kapitel und das Mittelalter hat wenigstens 
in Klosterbauten thatsächlich die richtigen Regeln befolgt. Dennoch 
weckt die sinnige und feine Naturbeobachtung, die überaus genaue 
Abwägung auch der geringfügigeren Einzelnheiten unser Interesse. 
Wäre nicht die Lebensluft bei Alberti und seinen Zeitgenossen so 
groß, die Freude am schönen Dasein so mächtig gewesen, weder 
hätte er sich um die beste und reizendste Lage eines Bauwerkes so 
ernstlich gekümmert, noch der Eintheilung der inneren Räume eine 
so eingehende Aufmerksamkeit gewidmet. Bequemlichkeit, Annehm: 
liehkeit, die Anregung zu einem genußreichen Aufenthalte soll be: 
reits der Disposition eines Baues zu Grunde liegen. Aus diesen 
Rathschlägen spricht der Geist der Renaissance ebenso deutlich, wie 
aus den abergläubischen Regeln, die Leon Battista bei dem Ge: 
tvinne des Baumaterials und während der Bauarbeit beobachtet 
wissen will. Alles, was gearbeitet wird, wenn der Mond im Zei: 
then der Wage oder des Krebses steht, nimmt die Natur des Be1veg: 
lichen an, fest nnd unbeweglich dagegen wird sich erweisen, was 
begonnen wurde, als der Mond im Zeichen des Löwen nnd 
Stieres stand. Bäume sollen nur zur Zeit des Neumondes bei 
aufgehendem Sirius gefällt werden; dann gibt es keinen Wurm: 
stich nnd keine Fäuluis3 im Holze, und was den passendsten An: 
fang der Bauthätigkeit betrifft, so wird auch dieser von den 
günstigen Conjuncturen der Planeten abhängig gemacht, wenn 
and; nicht mit der gleichen Zuversicht, wie bei dein früheren Falle.
        

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