Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Bilder aus der neueren Kunstgeschichte
Person:
Springer, Anton
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3475622
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3476832
Leon 
Battiska 
Alberti. 
Wenn die Natur der ,,HistorieH Fülle und Mannigfaltig: 
keit in sich schließt, wenn auf dem Bilde sachgemäß Greise nnd 
Jünglinge, schöne Frauen und Kinder, Thiere mancherlei Art, 
Baulichkeiten verschiedener Größe Raum finden, auch dem Nackten 
ein Platz, angewiesen ist, so ist der Beifall der Beschauer ge: 
sichert. Jm raschen Uebergange wendet sich dann Leon Vattista 
wieder zum Künstler, um ihm das Studium der Erscheinungs: 
formen an das Herz zu legen. Wohl wird mit gutem Grunde 
von einem Gemälde verlangt, daß in demselben geistige Empfin: 
dringen zum klaren Ausdrücke gelangen. So hat z.B. Giotto in 
seinem Bilde: das Schiff Christi in jedem der Apostel die Ge: 
lierde des Schreckens und überdies; noch die verschiedenen Ab: 
stufungen des Schreckens deutlich versinnlicht. Wie kann dieses 
aber der Künstler erreichen, wenn er nicht mit den leiblicheu Be: 
wegungen vertraut ist und wie kann er die Vertrantheit sich an: 
ders als durch die genaue Beobachtung des wirklichen Lebens 
aneignenI Auf fleif;iges Naturstudium weisen auch die andern 
Eigenschaften, welche von einein vollendeten Malerwerke verlangt 
werden, hin. Das leicht bewegte Gewand, hier in schönem WUrfe 
herabwallend, dort die reizenden Körperformen halb enthüllend, 
würde schwer vermißt werden, ebenso wie die weiche Rundung 
der Gestalten, so daß sie gleichsam plaftisch aus der Tafel her: 
nuszutreten scheinen, und Licht und Schatten richtig vertheilt, 
gleichmäßig abgewogen offenbaren. Darauf kommt es vorzüglich 
an und auf die geschickte Farbenwahl. Das Aufsetzen der höchsten 
Lichter hart am Umriß ist ein ebenso großer Fehler, wie der 
allzuhäufige Gebrauch von Weiß und Schwarz. Das Beste der 
Kunst würde nur gefördert werden, wären diese beiden Farben 
theurer als Gold. Was die andern Farben betrifft, so müssen 
sie möglich vollständig auf die Tafel gebracht werden, ohne aber 
die Harmonie zu zerstören und die Freundschaft, welche einzelne 
Farben zu einander hegen, zu schädigen. Auch darüber herrscht 
eine grobe Täuschung, als ob kostbare Farbenstoffe den Werth 
des Bildes erhöhen. Durch den Auftrag,puren Goldes erzielt 
man eine schlechtere Wirkung, als durch die Anwendung solcher 
Farben, welche neben andere gesetzt, den Glanz und Schein des 
Goldes täuschend nachahmen und jedenfalls von der Kunst des 
Meisters ein besseres Zeugniß ablegen.
        

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