Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3474932
Großdenkmäler. 
Raumgestaltung. 
Die 
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auf klare, einfache Liniensührung. Die stilistischen Beengungen sind 
völlig überwunden. Wenn auch Anklänge an alte Formen nicht 
vermieden sind, so ist doch der Entwurf immer völlig frei von der 
Oberherrschaft geschichtlicher Grundgedanken. Es liegt das Schwer: 
gewicht auf der Erzielung eines starken einheitlichen Eindrucks, aus 
einer entschiedenen Betonung der Größe gegenüber dem bisher 
namentlich in der Nachahmung des Barock vorherrschenden Reich: 
tum. Man kann sich nicht stärkere Gegensätze denken als zwischen 
SchmiH7 Kaiserdenkmälern und dem des Begas für Berlin, wenn diesem 
auch ein Architekt Wallotscher Schule, Halmhuber, die Säulen 
halle zeichnete, die den Hintergrund seines Werkes bildete: Hier ein 
verfehlter Platz, der dem Denkmal die Möglichkeit freier Entwicklung, 
die landbeherrschende Fernansicht raubt, ein Durcheinander ent: 
lehnter, sich gegenseitig aushebender Gestaltungen; dort eine ernsthafte, 
kaiserliche Ruhe. 
Die Größe des Denkmals in der freien Natur beruht auf 
der rechten Behandlung der Massen zur Umgebung. Nicht die 
Einzelheit, sondern die Stimmung entscheidet; der Umstand, daß 
man an Dingen, die im Verhältnis zum Menschen stehen, die 
Größe des Ganzen überall abschäl5en kann, ja daß diese scheinbar 
noch gesteigert wird. Das Hineiustellen von Formen, die zum Ge: 
brauch dienen, die wir also erfahrungsmäßig in richtiger Größe 
erkennen, giebt den Maßstab für das Ganze. Man hat so oft 
in St. Peter die Einzelheiten, deren Maße nicht im Verhältnis zum 
Menschen, sondern zum Bauganzen gehalten sind, als Grund für 
die ungenügende Wirkung des Baues angeklagt: weil alle Teile 
in gleichem Verhältnis sind, findet sich für diesen kein Maßstab. Ein 
solcher ist erst der Mensch, und daher wirkt St. Peter am stärksten, 
wenn viele Menschen in seiner Nähe sind. Der umgekehrte Schluß 
führt selten zu guten Wirkungen, zu klarem Überwiiltigen der 
Aufgabe: denn die Grenzen sind schwer gefunden: Ebenso oft 
wie durch das Kleine das Große größer wirkt, wirkt das Kleine 
am Großen zum Nachteil des Ganzen spielerisch, zerbrechlich. Nicht 
Regeln, sondern künstlerische Kraft kann allein hier das Rechte 
herbeiführen. Schmit;, ist dies in hohem Grade gelungen. 
Er bedurfte einer anderen Form der Bildnerei, als sie sonst 
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