Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3474237
Feuerbach 
und 
Kritik. 
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als Beleidigung gegenüber dem Geschmack, den sie besassen nnd, 
weil sie ihn besassen, für den denkbar besten hielten. 
Die Kritik hat Feuerbach sehr hart mitgenommen, namentlich 
feine späteren Bilder, bei denen diese Absicht deutlich hervortrat. 
Man fand die Gestalten unschön, den Gesichtsausdruck gemein, 
man fand sie vor allem zu realis1isch. Feuerbach, sagt Rosenberg, 
hat sich allzu sklavisch an seine Modelle, besonders an die weih: 
lichen, gehalten und die Natur nebst allen ihren Zufälligkeiten 
und Bildungsfehlern mit ängstlicher Treue wiedergegeben, sogar 
gewisse Mißbildungen, die nur die Folge der modernen Kleidung, 
des Tragens von Strumpfbiindern, Korsetts n. s. w. sind. Die 
Pferde seien steif und hölzern. Dagegen bewunderte der Kritiker 
Fenerbachs Skizzen. Die Ausführung also war es, die diesem 
die Gunst der Kritik verdarb. Glaubt man Rosenberg, so hat 
Fenerbach gerade das, was er erstrebte, nicht erreicht. Sein Leben 
lang plagte er sich, um die Znfälligkeiten los zu werden, die ängst: 
liche Treue z1I überwinden. Und gerade dies wird ihm als eigen: 
tümlicher Fehler vorgeworfen. Wer ein gutes Beispiel für das 
Nichtsehenkönnen der Kritik haben will, dem ist es hier geboten. 
Feuerbach hatte den Fehler, solche Kritiken zu lesen. Der Sohn 
eines deutschen Professors, hatte er eine unberechtigte Achtung 
vor Gedrucktem. Lebte er doch einsam in Rom, war doch die 
Zeitung ihm fast allein das Echo des Vaterlandes auf sein Schaffen. 
Er hat schwer unter den Angriffen gelitten, er ist körperlich unter 
ihnen zusa1nmengebrochen. 
Adolf Rosenberg gehört zu jenen, die Feuerbach nicht ver: 
standen. Das ist kein erwähnenswerter Umstand, da überhaupt 
sein Verständnis vor allem Neuen und dabei Großen versagte. 
Ich erwähne ihn hier nur, um das Verhältnis zwischen Kunst und 
Tageskritik zu erörtern. Tageskritik nenne ich die, die heute ge: 
macht nnd morgen vergessen wird. Es wäre unbillig, dem im 
Schweiße seines Angesichts arbeitenden Tagelöhner der Zeitungen 
daraus einen Vorwurf zu machen, daß seine Aufsätze gelegentlich 
fehlerhaft, flüchtig, unbedeutend sind. Darum habe ich mich in 
diesem Buche auch stets an jene Kritik gehalten, die nachträglich in 
Buchform erschien, also nach Jahren vom Krikiker selbst für gut
        

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