Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3474017
Die heilige Nacht. 
Entschiedener Realismus. 
Der Künftlerstreit. 
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Arno Holz sein, der zunächst in seinem Buch über die Kunst, ihr 
Wesen und ihre Gesetze wohl zumeist an die Dichtung dachte, es 
aber auch an Seitenblicken auf die Malerei nicht fehlen ließ. Er 
wendet sich gegen Zola, diesen überbietend. Kunst ist die Natur, 
gesehen durch ein Temperament, hatte Zola gesagt und dabei noch 
den entscheidenden Ton auf das Temperament gelegt. Holz meint, 
die Kunst habe das Bestreben, wieder Natur zu sein, sie erreiche 
dies nach Maßgabe der jeweiligen Bedingungen ihres Entstehens. 
Und dabei ist er der Ansicht, daß die Kunst steige, je mehr sie 
Natur werde und je weniger die Bedingungen hervortreten. Man 
sieht eine neue Feststellung der schöpferischen Absicht in der Form eines 
Gesetzes. Der Naturalismus geht hier auf die völlige Unsichtbar: 
machnng des Künstlers im Kunstwerk aus. Er will nicht den 
Spiegel der Natur abgeben, sondern zur FenstersCheibe werden, 
durch die man die Natur sieht. Dieser hier mit besonderer Klar: 
heit ausgesprochene Gedanke ist für die Kritik der Zeit maßgebend. 
Er überbietet Taines und Zolas Ansichten durch die Entschiedenheit, 
mit der der Natur das Vorrecht gewahrt ist. 
Die Anschauung, daß die Wahrheit das Grundwesen aller 
Schönheit enthalte, tritt auch in den Werken der Künstler selbst 
hervor. Es beginnt eine Zeit der Durchsuchung der Welt nach 
neuen und doch wahren Eindrücken, eine Zeit der Wagnisse, das 
bisher der Kunst am fernsten Liegende wahr darzustellen, das im 
Leben als häßlich Empfundene im Bild als ein Schönes wirken zu 
lassen durch Wahrheit. Die ältere Kritik und die große Menge 
der Beschauer war empört über das, was sich ihr darbot. Die 
Künstler selbst bekämpften einander in noch nicht dagewesener 
Hestigkeit. In München kam es zu einem Bruch, indem sich einige, 
zumeist realistische Künstler von der Kunstgenossenschast trennten 
und, bald andere um sich sammelnd, seit 1895 als Secession 
selbständig ansstellten. Ähnliches war in Paris, in New:York, 
in London vorausgegangen; in Berlin, Dresden, Karlsruhe und 
eigentlich überall, zuletzt in Wien vollzog sich die gleiche Scheidung. 
Gegenüber standen sich anfangs zumeist die Maler der Pilotyschule 
und die Realisten Liebermannscher Richtung. Zwischendurch quirlten 
die Sonderbestrebu11gen verschiedenster Art. 
ZEIT
        

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