Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3468112
Fernow 
Ccmova. 
nnd 
Nachdem Winckelmann seinen Wohnsitz in Rom genommen 
hatte, nachdem von dort dem hoch aufhorchenden deutschen Volke 
die Lehre einer vertieften nnd verfeinerten Kunstauffassung herüber: 
geklungen war, seit Goethe den Blick in immer lebhafterer Weise 
auf die Vorgänge in der ewigen Stadt gelenkt hatte, war man sich 
in allen vom wissenschaftlichen Leben der Zeit beriihrten Kreisen 
einig, das; die Romreise den Künstler erst fertig mache. Dort, in 
Rom, sagte der Mann, der sich als Winikelmanns echtester Nach: 
folger fühlte, fein märkischer Landsmann, sein Leidensgefährte hin: 
sichtlich traurig verlebter Jugendzeit, sein Glücksgenosse, insofern 
ihm in Rom die Welt erst eigentlich erschlossen wurde, Fernow, 
dort in Rom ist das Kli1na der Kunst. Deutschland bringt große 
Künstler hervor, aber es hat keine gedeihliche Heimat für sie. Jn 
Italien lebe und ftrebe und schaffe der deutsche Künstlert 
Vielleicht liegt hierbei das Gewicht des Satzes auf dem 
Worte deutsch. Denn die römische Kunst war durchaus minder: 
wertig. Es fiel keinem der Vorkämpfer für die ewige Stadt ein, 
die Anko1nmenden auf das hinzuweisen, was an Ort und Stelle 
selbst geschaffen wurde. Eine Ausnahme bildete nur, was die 
Franzosen leisteten. Daß aber die italienische Kunst im ganzen 
und die römische Bildnerei im besonderen im Verfalle sich befinde, 
galt für völlig ausgemacht. Man lächelte erstaunt über die Ar: 
beiten, welche aus der Werkstatt des Bartolome Cavaceppi hervor: 
gingen, der doch Winckelmanu selbst so nahe gestanden: Obgleich 
mit Erfolg thätig, Antiken zu vervollständigen, hatte er sich in 
seinen eigenen Werken als Nachfolger Berninis erwiesen; Pietro 
Bracci war der letzte unter den namhaften Meistern dieser Schule 
gewesen, einer jener Künstler, die noch im Vollbesitz der tech: 
nischen Mittel des Barock waren. Der Erbe dieser war fast allein 
Antonio Canova. Nachdem die Bewegung und die Leiden: 
fchastlichkeit des Ausdrucks in Mis3achtung geraten waren, seit man 
von der griechischen Einfachheit sich ganz erfüllt hatte  das, 
was nun von diesem Erbe noch von Nutzen war, die Anmut, der 
reiche Linienfluß, die schlanke Rundung der Glieder wurde Canova 
aber bald zum Vorwurf angerechnet. Die Begeisterung für ihn, 
als der Größten einer nicht nur seiner, sondern aller Kunst, lief;
        

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