Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3473383
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VII. 
Wahrheit. 
nt1cJ 
Streben 
Das 
handwerkliches Können und seinen Geist anerkannte. Aber es dauerte 
noch sehr lange, ehe sie begriff, daß er zu den Größten unter den 
Lebenden gehöre. Man vergaß ihn leicht, wenn man einen Uber: 
blick über das Zeitschasfen gab. Reber fand nach 1876 seine Lebens: 
Wahrheit und Bewegtheit kraus; Menzel vermöge in ihr den 
rechten Punkt nicht zu finden; seine Farbe sei ziegelig, aquarellartig 
und ungleich, im Krönungsbild hart 11nd durch die Darstellung der 
Staatsgewänder nnerfreulich. Er findet, daß Menzel französischen 
Vorbildern nachstrebe. Die halbe Seite, welche er ihm unter den 700 
Seiten seiner Geschichte der neueren deutschen Kunst widmet, steckt 
voll von Mißverständnis. Spinger, der um 1866 über die Wege 
und Ziele der deutschen Kunst schrieb, nennt Menzels Namen nicht. 
Der Wahn muß schwinden, sagt er am Schluß seiner Aus: 
führung, als ob es eine absolute Kunst gebe, die durch keine 
Schranken und Gesetze gebunden ist, die Willkür des Einzelnen 
allein zur Richtschnur nimmt; die Wahrheit muß wieder lebendig 
werden, daß zwischen dem technischen Materiale, dem Jdeenkreise 
und dem Formengerüste ein festes Band, ein inniges Wechselver: 
hältnis bestehe, das nicht ungestraft umgangen werden kann. Dieser 
Ausspruch Springers sollte soviel heißen, als das Volk müsse durch 
geläuterte Ästhetik aufgeklärt und wieder zum Verständnis von 
Cornelius, Thorwaldsen und Schinkel erzogen werden. Künstler und 
Volk müssen der Kunstlehre dienen, ihre Weisheitsprüche achten. 
Welche Kunstlehre aber unter den sich widerstreitenden die rechte 
sei, bleibt unerörtert. Und als Springer in einem Neuabdruck jenes 
Aufsatz,es nach zwanzig Jahren sich selbst verbesserte, glaubte er doch 
eines behaupten zu dürfen, daß nämlich eine neue Kunstperiode keines: 
Wegs in naher Aussicht stehe, daß das Schwanken in den Zielen, 
noch lange dauern würde. Er hatte also immer noch die Hoffnung, 
daß das rechte Gesetz, gefunden und siegreich werde, daß damit alles 
Schwanken beendet, die bindende Schranke aufgerichtet werde. Keine 
Ahnung aber hatte er davon, daß eine neue Kunstperiode in voller 
Klarheit schon da war, als er dies schrieb. Ja selbst einer, der es besser 
wissen konnte, weil er nicht so arg auf die gelehrte Zunst eingeschworen 
war, wie Springer, Ludwig Pfau, ist noch 1888 voller Bedenken. 
Die Gegenstände Menzels findet er nninteressant, seine Begabung
        

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