Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3472794
Praktische Ästhetik. 
PUkIfet Beziehungen. 
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der Erzeugnisse aller Stile und selbst jener Griechenlands von der 
höchsten idealen Kunst aus; vielmehr sucht und findet er in jedem Stil 
die besonderen GeseHe, die sich aus Zweck, Stoff und Schmuck: 
bedürfnis ergeben; er stellt nicht die Zweckerfüllung, nicht die Kon: 
struktion allein, wie es die Gotiker thaten, nicht die vom Stoff und 
Zweck getrennte, lediglich sinnbildlich zu fassende Zie17form allein, 
wie die Hellenisten wollten, an die Spitze der Betrachtung; sondern 
sucht festzustellen, inwieweit sie sich gegenseitig bedingen und er: 
gänzen. 
Die Gotiker jener Zeit hielten an dem GrundsaH fest, daß die 
Konstruktion die Grundlage der Formgebung sein müsse. Auch sie 
wirkten zweifellos anregend auf das gewerbliche Schaffen und über 
dieses hinaus auf die Baukunst. Sie stüZten sich, seit sie erkannt 
hatten, daß ihnen die deutsche Gotik nicht eine hinreichende Formen: 
fülle zu Gebote stelle, auf französische Vorbilder. Es ist dies nicht 
so zu verstehen, daß Deutschland den Gedanken von Frankreich 
entlehnt habe. Im Gegenteil. Der Kölner Gan, Sempers Lehrer, 
war es, der die in seiner Vaterstadt zuerst gegebenen Anregungen 
nach Paris trug; er war der erste in Frankreich, der eine Kirche 
in gotischen Formen neu aufführte, St. Clotilde, die noch in 
Vorwiegend rheinischen Kathedralformen 1846 begonnen worden 
ist; er war es, der eine Reihe von Pariser Kirchen stilgerecht 
wieder herstellte. Als 1830 Vietor Hugo seinen Roman Notre 
Dame de Paris schrieb, der in Deutschland kaum weniger gelesen 
wurde als in Frankreich, war es sein ausgesprochenes Ziel, seinem 
Volke wieder die Liebe zu dem Stil einzuimpfen, der sdas eigenste 
Erzeugnis seines Geistes ist; er wollte den Entlehnungeu aus 
Italien und Griechenland entgegenarbeiten, die vielgestaltige Gotik 
dem frostigen Klassizismus entgegenstellen, die Maler der Romantik 
in ihrem Kampfe gegen den gemeinsamen Feind unterstützen. Schon 
hatte Viollet:le:Duc seine lehrhafte Thätigkeit begonnen, indem er 
seit 1840 die St. Chapelle erneuerte, seit 1854 seinJ.berühn1tes 
      
Eine große Zahl von Erneuerungen, an der Spitze die:mit Lafsus 
seit 1845 gemeinsam durchgeführte von Notre Dame zu Paris, 
von Veröffentlichungen nach diesen, die glänzende Thätigkeit der
        

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