Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3472246
402 
Die 
historische 
Schule. 
ersten Landschafter neben seinem Bruder galt. Welcher Reichtum 
im Ton, im Gegenstand: ein Raketenseuer an Glanz, Funkeln, 
Leuchten, ein sprudelnder malerischer Geist Von ganz außerordent: 
lichen Fähigkeiten. Es muß dem Maler überlassen bleiben, was er 
im Bilde geben will. Die Zeit der Einfachheit im Gegenstande, 
der Entsagung auf dessen Schönheit, die in den neunziger Jahren 
herrschte, hat sich über das Zuviel bei Oswald Achenbach lustig 
gemacht. Welchen Aufwand an Bauten und Bäumen, an Licht: 
wirkungen und Menschen, an Staub und Sonne in seinen ruhcn: 
redigen Bildern um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Es 
scheint, als wolle er Italiens Ehren verkünden, als male er in der 
Absicht, den Fremdenverkehr zu hebenI 
Auch in München ging der Braunton der Zeit nicht spurlos 
an den Malern vorüber, die man dort im Gegensatz zu Rottmann 
Stimmungsmaler nannte. Die Verbindung der Münchener mit dem 
Norden blieb dauernd aufrecht, da Norwegen als eine Art Gegenpol 
zu Italien galt, als eine Heimat des Realismus und der Romautik 
gegenüber der Idealität und Klassik. Aber das Entscheidende war 
doch, daß Morgenstern in der Umgebung Münchens sitzen blieb, 
auch hier zwar das braune Dachauer Moos bevorzugend. Vor allem 
Rahls berückendes Kiinstlertum riß die Maler mit fort, farbiger, 
tieftöniger, einfacher und breiter zu werden. Fr. Volk, Ed. Schleich, 
Ad. Lier entwickelten hier eine Malerei, die sich mit der englischen 
etwa eines de Wint 1md Cox deckt, klare Aussichten in die Weite 
in etwas gesteigertem Ton giebt. 
Die für deutsches Wesen, namentlich für die jüngste Zeit des 
Schaffens entscheidende Kunst blieb aber trotz, allen realistischen 
Versuchen die alte idealistische Landschaft, wie sie von Koch herstammt, 
Wie sie PrelIer und J. W. Schirmer fortfiihrten, und wie sie in 
Arnold Böcklin und Hans Thoma heute noch lebt und blüht. 
Schirn1er war der eigentliche Gegenfag zu der aus Lessing 
und die Hamburger zurückzuführenden Sihnle, obgleich beide Führer 
in Düsseldorf und Karlsruhe gemeinsam miteinander wirkten. 
Die Frage, die den Kreis um Achenbach von dem um Schirmer 
trennte, war, ob die Wahrheit und Schönheit der Natur allein ein 
Bild machen könne, oder ob noch ein Gedanke dazu gehöre. Mir
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.