Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3472131
Lenbach. 
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auch jene van Dycks war, ist sein: aber Moltke empfand ihn, als 
der Betroffene; später Lebende werden ihn noch viel deutlicher sehen. 
Es ist dieser Jdealis1nns vielleicht dem höchsten Werte von 
Lenbachs Bildnissen gefährlicher als seine Abhängigkeit von alten 
Meistern. Er empfahl einmal jungen Künstlern, sich derart zu 
üben, daß sie etwa zu einem männlichen Bildnis van Dycks ein 
weibliches Gegenstück sihaffen. Es ist mir mehrfach erzählt worden, 
daß er von dem und jenem, der sein Bildnis haben wollte, sagte, 
in welcher alten Meisters Art man ihn am besten auffasse: den 
wie einen Gainsborongh, jenen wie einen.Re1nbrandt. Er hat sich 
in heftigen Worten gegen den achtungslosen Dünkel eines jungen 
Geschlechts gewendet, das den großen Vorfahren nicht für ihre 
Lehren dankt, der Überlieserung den Rücken kehrt und von vorn 
anfangen will. Daß es Leute mit solchen Absichten giebt, ist kein 
Zweifel, und auch ich halte sie mit Lenbach für Narren. Was 
auch der Modernste, der entschiedenste Verächter der Alten kann, 
hat er diesen doch zum größten Teil zu verdanken. In die 
Wildnis gestoßen, ganz auf sich selbst angewiesen, hätte er es 
über eine Kunst der Wilden nicht hinansgebracht. Man kann 
sich von der Überlieferung nicht losreißen, man kann aber darüber 
streiten, ob man sich ihr dauernd unterzuordnen habe, ob man 
sich namentlich von dem Übermaß an Überlieferung nicht befreien 
kann, das auf der Münchener Schule lastete. Oder vor allem, 
ob man nicht wenigstens diese Freiheit erstreben soll. Denn in 
den siebziger Jahren, ihrer Blüte, hatte sie, gegen die Kunstwissen: 
schaft ebenso folgsam wie ihre Vorgängerin gegen die Ästhetik, die 
Malarten aller Zeiten und Völker studiert und spielte nun mit un: 
nachahmlicher Fertigkeit auf einer Menge verschiedenartigster In: 
strumente, ohne ein eigenes recht zu besitzen. Lenbach hatte sich 
selbst geschult durch eine Reihe meisterhafter Kopien: es ist dies Ver: 
tiefen in die Alten, dieses Neuschasfen von deren Wirken gewiß eine 
Tugend. Aber er will aus der Tugend eine Not machen. Während 
die Alten von ihrem Lehrer lernten und von diesem wohl gelegent: 
lich zu einem, zu zwei anderen gingen, sollen sich die Neuen einen 
ganzen Galeriekatalog von Lehrern gefallen lassen: van Dyk, Tizian, 
Murillo, de Heems, Huysmans, Ruysdael, Hobbema nannte. Lenbach
        

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