Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3471973
Die 
Genrebild. 
Städte 
Fabulieren. 
Der Humor. 
381 
ausschüttet. Denn die Lust zum Fabulieren sei an sich im Gemälde 
nicht unkünstlerisch, wenigstens dürfe der dies nicht zugeben, der die 
gleiche Neigung in den altflorentinischen Bildern bewunderte und 
von Terborchs novellistischen Darstellungen entzückt sei. 
Das ist ein Ausklang des von Springer gegebenen Schlacht: 
rufes: Zurück zum Volk, das Volk für das Volkl Er klingt schon 
recht vorsichtig, wie es selbstverständlich ist für einen, der die 
neuere Naturanschauung als die eigenste und eigentlichste Kunst 
des neunzehnten Jahrhunderts zu begrüßen gelernt hat. Man hat 
Wörmanns Buch Was uns die Kunstgeschichte lehrt um dieser 
Vorsicht willen kräftig angegriffen. 
Die Lust zum Fabulieren, ist das dasselbe, wie die Lust, kleine 
NovelIen zu erzsählen9 Vielleicht für den Dichter, schwerlich für 
den Maler. Eine malerische That ist jedenfalls das Darstellen 
des Menschen in einer bestimmten Lage, des menschlichen Aus: 
druckes, so daß man im Bilde seine Seelenstimmung erkennen kann. 
Diese schlicht und kräftig zu geben, ist Kiinstlerwerk, Kunstwerk. 
Mehrere Menschen zusammen in verschiedenen Beziehungen zu ein: 
ander, zu dem gleichen Ereignis darstellen, ist es ebenfalls. Denn 
da werden Dinge sichtbar, die wir mit den Augen verstehen lernen. 
Alle Beziehungen darüber hinaus, namentlich der feine Humor 
erscheint mir auch hier bedenklich, erscheint jedenfalls den Mo: 
dernen so und zwar ebenso an Terborch wie an Bokelmann oder 
Brütt. Nicht, daß ich den Humor verachtet Wer soll nicht lustige 
Leute liebenI Aber das Malen mit lächelnder Miene, das ist das 
Ärgerliche; der Humor, welcher Herablassung ist, Herablassung 
gegen das, was das ernsteste Ziel des Künstlers sein sollte, gegen 
die Natur. 
Die Kenner unseres Volkes sagen, daß Humor eine germa: 
nische Eigenschaft sei. Die Engläuder und wir Deutschen bildeten 
sie aus: Dickens, Sterne, Jean Paul, Kerner, Gottfried Keller, 
Fritz ReuterI Eine wundersame deutsche Sache, für die wir kein 
deutsches Wort haben: es bedeutet das lateinische Wort humor 
geistiges und körperliches Wohlsein, daher gute Stimmung, gute 
Laune. Ja, die lieben wir wohl alle. Aber Humor, wie das 
Wort verstanden wird, ist doih noch etwas anderes. Es ist eine
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.