Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467936
und 
Volkskunst 
Kunst. 
gebildete 
unzählige Male hervorgeholt worden, ein ergötg,licher Beweis dafür, 
wie weit das Hören von ,,ein Mannes RedW zu falschem Urteil 
führt. Ein Beweis ferner gegen den Irrtum der Zeit, welche glaubte, 
die Schönheit sei das höchste Gesetz der bildenden Kunst bei den 
Alten gewesen, dem sich alles hätte nnterordnen müssen; diese habe 
nie durch Leidenschaft, durch die ihr entsprießende Verzerrung die 
Schönheit durchbrochen. Die Malerei als nachahmende Fertigkeit 
könne die Häßlichkeit zwar ausdrücken, meinte man zu Lessings 
Tagen, als schöne Kunst wolle sie aber diese nicht ausdrücken. Jhr 
gehören wohl alle sichtbaren Gegenstände zu, aber sie verschliesse 
sich vor jenen, welche unangenehme Empfindungen erwecken. 
Das ist das volle Verneinen der charakteristischen Kunst, dem 
sich .in Rom auch Goethe angeschlossen hatte. Ihm war klar ge: 
worden, daß er sich geirrt hatte, wenn er als junger Mensch das 
Zusammenstimmen der Formen auch bei der Kunst des Wilden für 
Schönheit genommen habe. Er that Buße in Sack und Asche vor 
der Antike, er holte sich in Rom die klassische Absolution und kam 
mit dem neuen Jahrhundert nach Deutschland zurück, um es mit 
dem Eifer des Jungbekehrten für die in ihm zur Klarheit gewordene 
Lehre von der bedeutungsvollen und schönen Form als Ziel aller 
Kunst zu gewinnen. Er glaubte neues zu bringen aus dem Verkehr 
mit den römischen nnd neapolitanischen Künstlern, mit Tischbein, 
Kniep, Trippel, Hackert. Er brachte die Rokokostimmung mit, die 
in der Luft lag, die Sehnsucht nach Ruhe, nach Einfachheit, nach 
Stille, nach Schönheit, nachdem solange in1 Barock die rücksichtslose 
Kraft geherrscht hatte. 
Auch was Mengs in seinen damals so laut gefeierten  
danken über die SchönheitU vorbrachte, ist im Grunde das Evan: 
gelium, welches schon die Carracci im 17. Jahrhundert verkündet 
hatten: Man solle in der Natur die Schönheit suchen, wie es die 
Alten thaten. Es wird uns leichter gelingen zum Ziele zu kommen 
als ihnen, da sie uns den rechten Weg, wie es zu thun sei, bereits 
gewiesen haben. Wir handeln als Thoren, wollten wir uns nicht 
der von ihnen gebotenen Handreichung bedienen; wir handeln ver: 
messen, wenn wir uns über die Größten zu erheben suchen und 
eigenwillig andere Wege wandeln. Wohl aber haben auch die 
2sls
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.