Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3471546
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Schule. 
Die hiftorisEhE 
Lasegue sagt: Das Genie ist eine Nervenkrankheitk Börne hat 
das schon vor ihm ausgesprochen, indem er höhnt: Ein Talent 
ist eine große, fette Gansleber, es ist eine Krankheit; der Leber 
wird das ganze arme Tier geopfertl Nach ihnen haben sich viele 
Jrrenärzte mit dem Wesen des schaffenden Geistes abgegeben, 
viele, die hofften, ihn in den mechanisch geknüpften Netzen ihrer 
Gelehrsamkeit einzufangen, so daß man ihn auf den Tisch legen 
und mit Behagen untersuchen kann. Sie haben ihn nicht zur 
Strecke gebracht: das Geheimnis der Grenze zwischen hohem nnd 
krankem Geist ist nicht aufgedeckt. Aus dem Gleichschritt der ge: 
sunden, muskelkräftigen Menge muß aber wohl von Zeit zu Zeit 
ein Querfiihrer hervortreten, denn der Weg. der Kunst geht nicht 
geradeaus. Sie ist kein ständiges Fortschreiten, sondern ein immer 
wieder neues Einsetzen. Und wenn eine noch so breite Straße 
ins Dürre führt, muß einer kommen, der andere Stege weist. 
Und das ist fast allemal ein solcher gewesen, der nicht nur Faust, 
Herz und Hirn in das Schaffen einsetzte, sondern auch zum Reißen 
angespannte Nerven. Auch die Krankheit ist ein Glied in der 
Entwickelung der Menschheitl Wie oft hat sie die Gesunden über: 
wundern, ihren Körper wie ihren Geist; wie fest hat sie sich in das 
Sein der Geschlechter eingenistet, als ein Teil ihrer ererbten und 
erworbenen EigenschaftenI 
Dem Rethel seien unter den Düsseldorfern noch die Hand: 
festen, Gesunden zur Seite gestellt, die Schlachten1naler. Aus ihrer 
Zahl will ich einen Künstler herausgreifen, den ich selbst noch 
kannte als einen klaren, schlichten Mann von ganz außerordentlich 
lebhaft deutsche1n Empfinden, einen warmherzigen, eng mit seinem 
Vaterland Verflochtenen: Georg Bleibtreu, den Herold des 
preußischen Waffenruhmes; also den Maler, der Preußen in seinem 
Besten, Ruh1nvollften, für Deutschland Segensreichsten, in seinem 
Heere darzustellen unternahm; und zwar in einer Zeit, da der Mili: 
tarismus von jedem Gebildeten als Feind der Freiheit bekämpft, die 
Roheit der Soldateska überall verdammt und als die wahre That die 
am Schreibtifche gefeiert wurde. Des Malers Sohn, der bekannte 
Schriftsteller Karl Bleibtreu, hat über seinen Vater geschrieben 
und aus Adolf Rosenberg, als den Mann mit vollem Verständnis
        

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