Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3470901
284 
Romantiker. 
Die 
durch ein einseitiges Rückgreifen auf die Gotik nicht beengt wurde. 
Wie vielseitig sind die pariser Versuche im Kirchenbau, wie eigen: 
artig ist die neue Kensington:Kathedrale in L.ondonI Wie früh 
schon, 1859, wendete sich der große Führer der Katholiken Eng: 
lands, der Kardinal Nicolas Wiseman gegen die Unduldsamkeit der 
Gotiker vom Schlage des zum Katholizismus übergetretenen Roman: 
tikers Pugin nnd dessen begeifterten Verehrers Reichensperger. 
Für die deutschen Ästhetiker nicht nur unter den Katholiken 
war die Renaissance der Bruch mit der kirchlichen Überlieferung, die 
willkürliche Aufnahme undiNachahmung heidnisch römischer Bau: 
formen. Und hiervon sind sie auch heute noch nicht abgebracht. 
Viel dun11nes Zeug ist über diese Sache von beiden Seiten 
geschrieben und geredet worden. Nach Janssen war in den Augen 
der Protestanten der Resormationszeit der gotische Stil die papistische 
Kunst. Alle Bewegungen gegen die katholisihe  
und die sie Vertretende Hierarchie wären Hand in Hand gegangen 
mit der Bekämpfung der Gotik. Wo er dies wohl her weißP Wie 
dankbar wäre ich ihm, der ich mich auch mit diesen Fragen beschäftigte, 
wenn er die Quellen dieser Erkenntnis angegeben hätte. Freilich 
mit seinen, nämlich, daß ungefähr gleichzeitigsnIit der Reformation 
die Renaissance kam, damit kann man nichts ausrichten. Denn 
sie kam für Katholiken nnd Protestanten ganz gleichmäßig, ohne 
daß mir auch nur eine Stelle bekannt worden wäre, aus der man 
schließen könnte, daß die einen sich mehr als die andern über ihr 
Kommen gefreut oder es betrauert hätten. Bei Janssens Ver: 
ehrern fanden diese Gründe trotzdem Widerhall. Alle die, welche 
von den Prärafaeliten berührt, die Inittelalterlichen Formen schlecht: 
weg als deutsch:religiöse hinnahmen, erfüllten sich mit Abscheu vor 
der heidnischen Kunst. Jm Friihchristentum, in den Basiliken, war 
diese noch nicht überwunden; im romanischen Stil bereitete sich die 
neue Größe vor; die Gotik bildete das System der Kirche in vollendet 
künstlerische Form aus; die Renaissance verweltlichte es durch 
frevelhaften Rückfall ins Heidentum. Das ist noch heute die 
herrschende Auffassung. 
Erst in später Zeit. entstand hiergegen Widerspruch. Die 
Quelle, aus der er floß, ist durchaus bezeichnend: Die Jesuiten
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.