Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3470588
252 
Romantiker. 
Die 
an mir wirksam machen kann. Aber dieser Reiz galt damals als 
höchstes künstlerisches Ziel. Schadow selbst erzählt, wie unter 
heftigem Weinen in seinen Werkstätten gemalt wurde  natürlich 
schlecht, mit getriibte1n Blick. Theodor Hildebrandt war es haupt: 
sächlich, der durch Einflechten von Gefühl das Mittel zwischen 
Geschichts: und Sittenbild fand, diesem einen gedanklichen Jnhalt gab. 
Es war den Deutschen damals nicht klar, daß ein Neues 
nicht geschaffen wurde, daß die Engländer dieses Gebiet der Düssel: 
dorfer Schule schon längst reich bebaut hatten, namentlich an 
Thränenseligkeit kaum noch zu übertreffen waren. Doch in 
Düsseldorf kannte man wohl zweifellos solche Werke: die englischen 
Stiche überschwemmen die Welt, in englischen Ro1nanen, namentlich 
in Walter Scott war der Ton meisterhaft getroffen. Die Mischung 
von geschichtlicher Stimmung und modischer Empfindung gefiel den 
Zeitgenossen; das Heldentum gepaart mit der matten Weichherzigkeit 
der Zeit, der Jdealismus, der draußen lag im unumstrittenen Ge: 
biet der Poesie und drinnen im harten Tagesleben niemanden darin 
störte sein eigenes Zwecklein selbstsüchtig zu erstreben: das gab Zu: 
stände, in dem es dem Philister wohl ist, in dem er das Gefühl 
des Herrschers seines Geistes hatte: Sitte und Wohlanständigkeitk 
Graf Raczynski sagt, Wilkie, der angesehenste aller englischen 
Genremaler, habe eine Art die Gegenstände aufzufassen und eine 
Richtung des Geistes, der sich die Düsseldorfer Künstler häufig 
annähern und der sie sich ohne Gefahr noch mehr nähern könnten. 
Er sagt hier sehr vorsichtig eine Wahrheit, der man auch eine 
kräftigere Fassung geben kann: Düfseldorf wurde die Trittstufe 
zum Sprung über den Kanal. Jn der Genremalerei zeigte sich 
zuerst die Abhängigkeit von England, die niemals zugestandene. 
Wenn z. B. Rudolf Jordan in Deutschland einen Ruhm als Finder 
der Poesie bei der Seebevölkerung erntete, ist7s ärgerlich zu sehen, 
daß William EolIins ihm dieselben Gedanken und dieselbe Dur: 
stellungsart vorweggriff. Die Kunst, die Jordan bietet, ist nicht 
so sehr seine, als man annahm; sie stammt zumeist von der 
normannischen Küste, wo damals die Engländer Künstlern aller 
Völker das schlichte Sehen lehrten, die Einfachheit der künstlerischen 
Absicht. Der Düsseldorfer Humor, wie er sich in Adolf Schrödter
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.