Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3470230
Die Frömmigkeit. 
als katholisdher 
Overbeck 
Künstler. 
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äußerliche Schönheit zu legen schienen. Er war mit den Meistern, 
welche man heute naiv nennt, recht übel umgegangen; ihm schienen 
sie keineswegs so. Und wenn man die Deutschen von 1800, 
welche ans ihren Kleinstädten kamen, mit den Florentinern von 
1500 vergleicht, darauf achtet, aus welchen staatlichen und gesell: 
schaftlichen Kämpfen beide hervorgingen, so muß der Geschichts: 
kundige Von 1900 darüber lächeln, daß man in Weimar oder 
Dresden glaubte, die Florentiner als biedere Leute von oben 
herab beurteilen zu dürfen. Der in seinem Lebenskreis Beschränkte 
verstand nicht einmal das in einem gewaltigen Kampfe sich ent: 
wickelnde, großstädtische, aufreibende Treiben des alten Florenz, des 
Rom der großen Renaissancezeit; er sah nicht, wie es einem Botticelli 
in allen Gliedern prickelt vor Nervosität, wie in einem Perugino 
selbst schon die Frömmigkeit dahin führt, daß er auf ältere Kunst 
zurückgreift, absichtlich die alte von ihm für würdiger gehaltene 
Art den nach Neuem strebenden jungen Florentinern entgegensetzt; 
daß Rafael nur solange in dieser altertümlichen Kunst beharrte, 
bis er in Rom einsah, daß die Kirchenhäupter auf die Jnnigkeit 
des religiösen Ausdruckes gern verzichteten, wenn sie dafür einen 
gelehrten Jnhalt und Schönheit erlangen konnten. 
Seit Overbeck 1813 zum Katholizismus übergetreten war, 
fand er in diesem sein volles Glück. Er sprach es selbst aus, daß 
er durch seine Werke die Seelen im Glauben und in der Andacht 
stärken wolle, und daß er hierin seinen höchsten Ruhm sehe. Sein 
Schaffen ist Gebet, Gebet um das eigene und im Sinne der guten 
Werke um das Heil anderer. Jhm ist die Lehre der Kirche völlig 
ins Blut übergegangen, daß das Bild Wert erhält durch die in 
ihm verwirklichte, anschaulich gemachte Heilswahrheit; daß die künst: 
lerische Leistung nicht um ihrer selbst willen Bedeutung hat, sondern 
nur deshalb mit Anstrengung geleistet werden soll, weil sie eine 
Opferhandlnng ist, ein Opfer des Besten, was im Menschen ist, 
dargebracht am Altar der Kirche. Keiner hat es je ogewagt, an 
seiner reinen Frömmigkeit, an der Lauterkeit seiner in Uberze11gung 
schlummernden Seele zu zweifeln, seine Milde und Hingabe an den 
Glauben als uuecht, gemacht hinzustellen. Overbeck neigte sich 
in Bewunderung vor Fra Angelico, keiner war ihm verwandter in
        

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