Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3469933
den Akademien. 
Der Kampf mit 
193 
Die in tiefstem Grunde revolutionäre Zeit empörte sich auch gegen 
das gelehrte ästhetische Treiben und die Selbstentäußerung an die 
Antike, gegen das ganze unvolkstümliche Gethue der Geschmäckler, 
gegen den Unverstand, mit dem der Kunstunterricht betrieben wurde. 
Unter den Künstlern erhob sich ein eifriges Ringen gegen die 
Kunstbehörden, namentlich gegen die Akademien. Wohl konnten 
die Ankläger darauf hinweisen, daß die Kunstschulen, sich immer 
wieder von neuem reformierend, auf ein ernstes Kunststudium hin: 
strebten. Die Meisterlichkeit der Barockmaler hatte das Raschmalen 
zum Selbstzweck gemacht. Nicht umsonst feierte Winckelmann des 
Mengs langsamere, aber Werte für alle Zeit schaffende Art gegen: 
über der in Verachtung geratenen Virtuosität des Tiepolo, den er 
nach seinem ganzen glanzvollen Sein nicht verstehen konnte. Uberall 
wurde, gegenüber der ins Kraut geschossenen Könnerschaft mit ihrer 
Flüchtigkeit und ihrem Drauflosschaffen, auf Reinheit und Bestimmt: 
heit im Zeichnen, auf Sorgfalt und Nettigkeit hingedrängt. Man 
zeichnete sonst in den Akademien alle Abend einen Akt, wobei es nicht 
darauf ankam, wenn ein paar musco1i forestieri, Muskeln, die 
es im Körper nicht gab, pani0tti wie sie der Werkstättenwit5 
nannte, Rundbrote, mehr gezeichnet wurden, als das Nakte besaß. 
Das Modell wurde acht Tage lang, womöglich in der Haltung einer 
Antike gestellt, wie schon Lairesse empfahl; die ganz Sorgfältigen 
ließen in unmittelbarem Anschluß hieran nach der betreffenden Antike 
selbst zeichnen, damit dem Schüler die Fehler der Natur so recht 
in die Augen springen und er die Fertigkeit erlange, sie beim nächsten 
Akt zu vermeiden, das Zufällige zu übersehen. So werde ihm 
gelingen die edle Einfalt am menschlichen Leibe zu finden, obgleich 
sie die Natur selbst in voller Reinheit niemals bietet. 
Aber der Friede mit den aufstrebenden Geistern wurde dennoch 
nicht geschlossen. Koch nannte die öffentlichen Lehrstätten der Kunst 
Siechenanstalten, in welchen die Entwicklung der Schüler ver: 
nichtet werde. Das geistlose Zeichnen nach Gips und Modell 
dauerte dort Jahrelang; es geschehe nicht einmal der Natur getreu, 
sondern mit einer abstrakten Schönheitsmanier, durch die, alle 
Eigenart unterdrückt werde. Geistige und zeitliche Vernichtung der 
Zöglinge sei das Ergebnis dieser Anstalten. Diese Stimmen mehrten 
Gattin, is. Jqhkh.  13
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.