Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3469755
Genre. 
historische 
Das 
gUdwig 
Richter. 
179 
eine Form des Komischen, die aber ausschließlich der mit den 
konventionellen Formen des höheren Kulturlebens unbekannten und 
insofern unschuldigen Natur der Kindheit eigentümlich ist, gleichviel 
ob diese Kindheit einem wirklichen Kinde oder einer noch in kind: 
lichen Anschauungen befangenen Bildungsstufe des Volkes angehört. 
Es hat seine sKlippen zunächst in der plumpen Trivialität Cwie 
bei Ostade, TeniersJ, die zwar niedrig, ja gemein, nie aber komisch 
sei; und in der Karikatur, der absichtlichen Verzerrung der Wahr: 
heit. Beides liege außerhalb der Aufgabe ernster Kunst. Schasler 
weist also die naiVe Kunst den Ungebildeten zu, steht selbst über 
ihr hoch erhaben. Wie sollten bei solchen Anschauungen junge 
Künstler von Geist nicht die Gelegenheit ergreifen, das Genre in 
die höheren Kreise wenigstens des ,,historischenU Genrebildes zu 
erhebenl 
Und so zog auch die Landschafter der begeisterte Aufruf 
der Kritik wie eigenes Herzensbedürfnis nach Italien. Selbst 
Ludwig Richter machte sich auf den Weg und malte historische 
Landschaften, um dann später in romantischen sein größeres Ge: 
nügen zu finden. Nebenbei aber zeichnete er ,,GenreU für feine und 
anderer Leute Kinder. Das war freilich für alle, die über Kunst 
denken gelernt hatten, ein kindliches, ja gar ein kindisches Beginnen. 
In August Hagens Buche Die deutsche Kunst in unserem Jahr: 
hundert C1859J wird Richter daher auch noch nicht genannt, obgleich 
damals schon seit zwanzig Jahren seine Bücher in unterbrochener 
Folge in die Häuser des ganzen Volkes drangen, in die Herzen der 
Kinder und durch diese in jene der Eltern; und selbst weitere dreißig 
Jahre später findet H. Becker für ihn noch keinen Platz außer als 
ZEichner für den Holzschnitt in seiner Schilderung: Deutsche Maler. 
Er stand immer noch draußen außer dem Kreise der Meister hoher 
Kunst. Freilich war er seinem ganzen Wesen nach bis in die Wurzel 
hinein ein sächsischer Philister, beschränkt durch hundert Grenzen der 
Gewöhnung, der aus ihr gezogenen LebensgrundfäHe, der Abneigung 
wie der Liebe. Sein Schaffen spricht deutlich dafür. Ganze Reihen 
des menschlichen Gedankenkreises fehlen ihm. Alles was starken Willen, 
entschiedenes Abweisen, klaren Entschluß, ja was nur die dem Manne 
zum Wirken nötige Kenntnis auch des Bösen betrifft  all das 
12sss
        

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