Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3469738
Bauernmaler. 
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mußte, der später so berühmte Ludwig Richter hatte als junger 
Mensch seine Freude daran, Dresden nach schnurrigen Kerlen zu 
durchsuchen und sie zu zeichnen. Der Stoff war ausgiebigJl 
Unter diesem Gesichtspunkt gelang es zuerst die Kunst mit 
der Gegenwart zu versöhnen, wenn sie diese mit einem gewissen 
Selbstspott darstellen konnte. Ähnlich erging es in Süddeutschs 
land mit der dort beliebt werdenden Bauernmalerei. Warum 
begann man in ganz Deutschland plötzlich Bauern zu malenP 
Warum KleinstädterP Warum nicht vornehme Leute, warum vor 
allem nicht die Kreise, in welchen der Künstler die Blüte der 
Nation sah, der Nation von Denkern und DichternP Doch wohl, 
weil man nie mit vollem Ernst an jene glaubte herantreten zu 
dürfen. Heinrich Bürkel, Peter Heß, Karl Enhuber in 
München, Hermann Kauffmann und Martin Gensler in 
Hamburg, Eduard Meierheim und Jakob Becker am Rhein, 
Josef Danhauser, Waldmüller und Friedrich Gauermann 
in Wien  um nur einige zu nennen, haben von gleicher Grund: 
lage aus wie Richter in Sachsen die Landschaft gesehen und sie 
mit Volk belebt, mit Menschen, wie sie eben in die Landschaft 
passen, Naturgebilden, über die der Gelehrtere lächelte. Der hatte 
zu ihnen kein anderes Verhältnis, als das des Mitleides mit dem 
Tiefstande ihrer geistigen Kultur und der Neugier, wie sich diese 
äußere; und doch sahen so viele gerade in dem Zustande dieser 
Leute das Glück, die wahre schlichtere Menschlichkeit; dieser Leute, 
die eine fast unverständliche Sprache redeten und doch mit den 
Gebildeten eines Volkes, eines Stammes, einer Zunge waren. 
Als Goethe Hermann und Dorothea schrieb, nahm man ihm 
sehr übel, daß er den Gebildeten zumute, sich mit dem Schicksal 
eines Gastwirtes, eines Apothekers und der Jhrigen poetisch zu 
beschäftigen. Voß Luise und der redliche Thamm standen da schon 
höher. Ein Pfarrer, ein Schulmeister, um sie gute Menschen ohne 
Falsch. Das Volk geschildert durch die BrilIe des Wohlwollens. 
Der Maler Müller hatte es schon schärfer gepackt, sinnlicher ge: 
sehen, die männlichen Züge besser erkannt. Erst Jeremias Gotthelf 
kam aus seiner, des Seelsorgers, Absicht heraus, lehrend einzugreifen, 
für die Bauern selbst zu schreiben, zu einem herzlicheu Ton, der aus 
Gurlitt, 19. Jahrh. 12
        

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