Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3469559
Koth 
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nie ganz den Duft der Heimat, die handfefte Geradheit feines 
Wesens; vergaß freilich dabei nicht, sich in seiner Natürlichkeit etwas 
zu bespiegeln. In Italien war ihm das Wesen der Kunst auf: 
gegangen, die er in Deutschland erstrebt hatte. Man mußte ihn 
aus den Stanzen des Vatikan durch Diener entfernen lassen, weil 
er in Juchzern und Sprüngen feiner Begeifterung für Rafael 
Ausdruck zu geben sich getrieben fühlte; diese Begeifterung war redlich 
und nicht aus Büchern erlesen. 
Mit Carstens, dem er sich eifrig anschloß, als dessen Erbe er 
sich fühlte, war ihm die Vedute, das Malen von Aussichten ver: 
haßt. Er war voll vom Geist der Dichter und sah in der Natur 
deren Gestalten. Wenn Fernow von der schottischen Landschaft 
als Grundlage für eine höhere Auffassung spricht, so meint er jene 
Bilder zu Offian, die Carftens und nach ihm Koch entwarfen. 
Keiner von ihnen hatte je schottischen Boden betreten. Sie fchufen 
sich eine Landschaft aus den Bildern ihres schottischen Freundes 
Wallis und aus ihrer eigenen Stimmung, aus Anklängen an ihnen 
bekannte Gegenden, in denen sie sich ofsianifch angeregt gefühlt 
hatten. In der Länderkunde hatte er kaum feinesgleichenl so sagt 
der nüchterne Kestner, natürlich nicht ohne hinzuzufügen: außer den 
Gelehrten dieses Faches. Es gab kein noch so entferntes Land, 
dessen Gestaltung er nicht kannte. Er malte im Raube des Hylas 
die Gegend des Thracischen Bosporus so richtig, daß ein dorther 
kommender Reisender ihn hierzu beglückwünschte. Jm Bilde des 
Anachoreten in der Thebais war die Ortlichkeit so getroffen, daß 
ein Engländer ihn frug, ob er.in Nubien oder Abyfsinien gewesen 
sei. Das alles brachte ihm bei den Zeitgenossen viel Ruhm, 
ebenso wie feine tiefe Kenntnis des Dante. Das trug ihm viele 
Ehren ein, war aber wohl gerade der schwache Teil seiner künft: 
lerischen Natur. Abyfsinien und Schottland kann auch der geift: 
vollste Maler nicht aus dem Gemüt schöpfen, er kann es auch nicht 
aus Reisebefchreibungen, sondern muß es aus Abbildungen studieren. 
So kommt er wider Willen unbedingt in Abhängigkeit von fremdem 
Schaffen. So heftig Kochs Ärger über die in Rom lebenden Eng: 
länder war, hat er doch die britifchen Stiche genau studiert. Schon 
in der Kleidung stehen feine romantischen Gestalten jenen des in 
Gaum, 19.Jahkh. 11
        

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