Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die deutsche Kunst des neunzehnten Jahrhunderts
Person:
Gurlitt, Cornelius Schlenther, Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467316
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3468965
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1ll. 
alten 
Die 
Schulen. 
Schadow modellierte ein nackendes Mädchen, aus Träumen er: 
wachend, den Körper dehnend, hingestreckt auf eine Matratg,e, Arm 
nnd Kopf auf ein weiches Kissen lehnend. Seine Absicht war also 
nicht, wie er selbst sagt, eine Venus oder Göttin zu bilden, sondern 
das Bild einer wollustatmenden, wohlgebildeten Sterblichen zu gebenI 
Nicht der Kunstwert des jeHt in Paris befindlichen Werkes ist hier 
entscheidend, sondern die echt künstlerische Absicht. Ebenso bei der 
liebenswürdigen Marmorgruppe der Prinzessin Luise und ihrer 
Schwester. Er mißt, um in dieser seinem Vorwürfe ganz gerecht zu 
werden, sorgfältig nach der Natur, er leiht sich die Kleider der jungen 
Fürstinnen aus, er versenkt sich liebend in die Einzelheiten; nicht 
um ideale Gestalten zu schaffen, sondern mit der herzlichen Bewunde: 
rung des guten Preußen für die schöne Herrin der Zukunft, für 
die edlen, zur vollen Reife noch erknospenden Frauengestalten. Da 
ist volles Leben, voller Künstlergeist, volle Kraft sinnlichen U1nfangens 
bei aller Ehrfurcht. Ein Zug der bewundernden Liebe, der opfer: 
lustigen Anbetung wurde in die liebliche Gruppe mit eingeflochten. 
Endlich sollte es Schadow vergönnt sein, eines Mannes Bild: 
säule zu schaffen, den er selbst von Angesicht zu Angesicht gesehen, 
dessen Thaten er dankbar miterlebt hatte, Blüchers. Das Schicksal 
wollte es, daß man Goethes Rat einholte. Es ist das einzige 
Werk dieser Art geworden, in welchem die Zeitkleidung nicht rein 
beibehalten wurde. Ein Löwenfell mußte die Brust zieren, der 
Hals frei bleiben, die Falten bewegt und wie aus nassem Stoff 
gebildet erscheinen. So wollte es die siegreiche Wissenschaft des 
Schönen. Man sehe Zietens Lederhosen neben jenen aus idealeui 
Stoff an Blücher. Es ist ein Stück Zeitgeschichte in diesen 
Nebendingen, ein Stück Lebensgeschichte des Berliner Meisters, der 
nun mit Goethe höflichen Händedruck und förmliche Briefe wechselte, 
nachdem sie sich ein langes Leben hindurch nicht verstanden hatten. 
Schadow wußte sehr gut, daß er unter allen Berliner Künstlern, 
neben Tassaert, von dem er sein Handwerk erlernt hatte, Chodowiecki 
am meisten schuldete, nämlich die Absicht auf Redlichkeit, das Streben 
nach eigener Naturerkenntnis. Es war dem Manne, der mit 
Miniaturen und Schmelzmalereien sein Lebenswerk begonnen hatte 
und der nun auf dem Wege wissenschaftlicher Belehrung die Wahr:
        

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