Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Freilicht!
Person:
Schölermann, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3466492
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3467014
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Goethe sagt etwas dem Sinne HeineIs ganz Aehnliches, 
wenn er den Eindruck, welchen die großen Deckengemälde der 
Sixtinischen Kapelle auf ihn machten, in folgenden Worten 
wiedergiebt:  
,,Jch bin in dem Augenblick so für Michel Angeld ein: 
,,genonnnen, daß mir nicht einmal die Natur auf ihn schmeckt, 
,,da ich sie doch nicht mit so großen Augen wie er sehen 
,,kann.tl 
Mit großen Augen sehen, das ist gerade etwas, was 
unserer modernen Richtung abgeht. Man sieht nur eine 
Zusammensetzung von Theilen in der Kunst, man wissen: 
schaftelt mit ihr, das Ganze fehlt. Man zerlegt die Natur 
in lauter einzelne Fetzen, wie jene schlechten Schauspieler, 
vor denen Hamlet warnt, ,,eine Leidenschaft in Fetzen zers 
reißenH. Dieses Zusehen muß, wenn nicht bald ein Auf: 
schwung stattfindet, die Kunst zu Grunde richten. 
An die künstlerischer: und dichterischen Führer unseres 
Volkes müssen wir uns wenden, nur von ihnen kann man 
lernen. Sie sind der einzige Katechismus, der uns 
Nutzen und Klarheit in unsern zerrissenen Kunstbegriff 
bringen kann. Man schlägt aber gerne, im Bewußtsein seiner 
Unfehlbarkeit, den un1gekehrten Weg ein: ,,Die Alten wußten 
Nichts. Wir sind die Auserwählten, und zucken die 
Achseln über der Väter Weisheit. Wann werden wir mal 
,,vor unserer Gottähnlichkeit bangeWs Es ist hohe 
Zeit dazu. 
Motive 
und 
ZUodelle. 
 Wenn man eine Venus sieht, von tadellosen1 Körperbau, 
aber mit dem Gesicht einer Cocotte, so kann nicht verlangt 
werden, daß man eine solche Verirrung, ein solches Zwittets 
Kunstwerk schön finden und sich daran erfreuen soll. Be: 
Frcilirht. Z
        

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