Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des modernen Geschmacks
Person:
Falke, Jakob von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3461935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3465413
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TO 
vermittelst der empsindsamen Literatur die s. g. Werther2 
tracht in Mode brachte, den blauen Frack mit gelber Weste, 
gelben Beinkleidern und hohen Stulpstiefeln. Dieses 
Costüm wurde in Deutschland durch die Literatur die 
Kleidung der Genies, aller Literaten und Liberalen und 
wurde zuerst durch den jungen Goethe in Weimar an den 
Hof gebracht. Doch kostete es noch Jahrzehnte einer 
revolutionär bewegten Zeit, bevor es mit Cylinder und 
Stiefeln über den gestickten Frack und den Klapphut, über 
Strümpfe und Schuhe den völligen Sieg davon trug. 
Ganz in ähnlicher Weise erhob sich der Kampf auf 
dem Gebiet der weiblichen Tracht, die entschieden einen 
mehr bürgerlichen und einfachen Charakter annahm, doch 
würde es zu weit führen, wollten wir die Polemik gegen 
Schnürbrust und Reifrock, gegen die hohen Frisuren und 
die hohen Steckelschuhe des Näheren hier betrachten. Auch 
gelang es in der That erst der französischen Revolution 
selbst alle diese Denkzeichen und Ueberreste des Roeoeo 
gänzlich abzuschiitteln. 
Man vernünftelte in allen solchen Dingen, oder viel: 
mehr man polemisirte vom Standpunkt des puren Vers 
standes aus gegen alles, was über den bloßen Nasen 
und die Zweckmäßigkeit hinausging, wie man z. B. einen 
langen literarischen Krieg gegen die schwarze Trauerkleidung 
führte, für welche man sich keinen vernünftigen Grund 
denken konnte. Nicht minder schrieben die Geistlichen selbst
        

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