Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des modernen Geschmacks
Person:
Falke, Jakob von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3461935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3465135
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PS 
die hohe Kunst, die Sculptur und die Malerei, folgen 
lassen. 
Wir dürfen hier keinen anderen Charakter erwarten, 
als den, welchen wir schon haben kennen lernen. Es ist 
derselbe Geist des Vergnügens, der Liebe und der Koketterie, 
des Theaters und der falschen Natur, der Caprice, des 
beliebigen Einfalls und der RegelIosigkeit, welcher im 
Ornament, in der Ausstattung der Paläste und Wohnungen, 
in aller Kunst überhaupt die Herrschaft führt. Dieser 
Geist scheint unsaßliO, weil sein Wesen eben darin besteht, 
daß die Laune alle künstlerischen Gesehe mit Füßen tritt, 
aber eben hierin ist er wieder so wunderbar consequent, 
daß er uns überall in einheitlichem und geschlossenem 
Charakter vor Augen tritt. 
Jn folchem Geiste konnte das Rococo jenes Beftreben 
zur Entfaltung von Pracht und gewichtiger schwerer Würde, 
noch pompösem Schein nicht festhalten; wie hätte sich die 
Laune damit vertragen können9 Das Rococo will mit 
seiner Kunst gar nichts, es beabsichtigt gar keine Wirkung, 
es hat keinen andern Zwecks als sich zu amüsiren, sich selbst 
zu gefallen, seinem Amüsement eine entsprechende wohlige, 
behagliche, reizende Stätte zu verschaffen. Es ist daher im 
Allgemeinen sein formelles Auftreten ein weit bescheidneres, 
anspruchsloseres als das der Perrückenzeit, und zweitens 
unterscheidet es sich dadurch von seinem Vorgänger, daß 
es die Kunst mehr nach innen als nach außen richtet.
        

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