Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte des modernen Geschmacks
Person:
Falke, Jakob von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3461935
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3463233
Eigenschaft, welche sie von der italienischen unterschied. 
Deutschland steckte für den ornamentalen Geschmack tief 
in der Gothik, für den der Figuren in einem derben 
Naturalismus, den nur die treue, liebevolle Wiedergabe 
des wirklichen Lebens, die Beseelung mit Gefühlen erträg: 
lich macht. Es konnte sich nicht auf einmal davon losreißen 
und sich nicht auf einmal für classifch:reine Formen begeistern, 
zumal in einer solchen Zeit sturmvoller Bewegung, wo 
die Geister und die Gewissen von ganz anderen Dingen 
eingenommen waren. Hatte doch auch Jtalien von Nicola 
Pisano bis Mantegna eine lange Schule der Bildung 
durchmachen müssen. Jn Deutschland sollte sich derselbe 
Prozeß in zwei Jahrzehnten vollziehen, der in Jtalien 
zwei Jahrhunderte gebraucht hatte. Am Schluß des fünf: 
zehnten Jahrhunderts schwebt noch über der gesammten 
Kunstthätigkeit der Geist des Mittelalters, wenn auch in 
seiner legten, sehr veränderten Weise, noch ohne eine Ahnung 
von der Antike, und zwanzig Jahre später schreibt Dürer, 
heutzutage muß alles antikisch sein. Es war freilich auch 
alles, was dann geschaffen wurde, nur antikisch und nicht antik. 
Wir könnten, wenn wir wollten, diesen Wandel des 
Geschmacks an jeden einzelnen Künstler verfolgen, der vom 
fünfzehnten Jahrhundert in das sechzehnte hinüberging, 
vorausgesetzt, daß er nicht schon als alter Mann in die neue 
Zeit eintrat. Zu dieser leHteren Art gehört Adam Kraft, 
welcher schon 1507 starb, der Meister des gothischen
        

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