Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Verrocchio
Person:
Mackowsky, Hans Verrocchio, Andrea
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3552066
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3553207
sind aus der sehr weltlich angehauchien 
Kunst des Dominikaners von Verrocchio 
übernommen worden: die fast gekünstelte 
Anordnung des Schleiertuches mit der 
hornartigen Verzierung, die Vorliebe für 
Schmuck und Edelsteine. Ihn deswegen 
zu einem Schüler des Fra Filippo zu 
machen, geht nicht an, weil seine malerische 
Ausdrucksweise, seine Technik völlig von 
der des alten Lippi verschieden ist. Soll 
ein Lehrmeister in der Malerei für 
Verrocchio namhaft gemacht werden, so 
wüßte ich keinen besseren als Alesso Bal: 
dovinetti vorzufchlagen, den gewiegten Ex: 
perimentator, bei dem auch die Pollajuoli 
in die Schule gegangen sind. Damit 
würde sich denn der Starrsinn erklären, 
mit dem eine gewisse Gruppe von Kunst: 
historikern vor allen Gemälden unseres 
Meisters und seiner Schule sich noch immer 
auf den Namen Pollajuolo steift. Damit 
wäre auch das gerade in der Werkstatt 
Verrocchios beliebte Motiv der thronenden 
Madonna mit Heiligen vor baumüberragten 
Schranken Cvgl. die Abb. 2, 75J auf seinen 
wahren Ursprung zurückgesührt. 
Eine ganze Gruppe von Madonnen: 
bildern rückt in die unmittelbare Nähe 
dieses Originalwerkes. Am genauesten 
nimmt das Motiv eine Madonna auf, die 
Herr von Mumm in Frankfurt a. M. be: 
sitzt CAbb. 64J. Drei andere Tafelbilder 
in Berlin CAbb. 65J, in London bei Mr. 
Butler und im Städelschen Institut zu 
Frankfurt a. M. lehnen sich in der Kom: 
position eher an die Marmormadonna des 
Bargello an. Die abgesonderte Stellung, 
die wir IS. 54J dem Madonnenrelief des 
Mr. Shaw zuwiesen, nimmt unter den 
tnalerischen Arbeiten die Madonna mit den 
Engeln in London ein CNational Gallery 
Nr. 296, Abb. 66J. Alle diese Gemälde 
zeichnen sich durch gewissenhafte, fast 
pedantische Sauberkeit der Technik aus; 
ihre Schwäche besteht im Seelischen. Sie 
haben etwas Starres im Ausdruck, wie 
auch ihre Falten und ihr Kontur an 
metallische Härte streifen. Man pflegt 
diese Madonnenbilder neuerdings dem 
Francesco Botticini zuzuteilen, einem sorg: 
fältig ausführenden, aber wenig eigen: 
artigen Meister, der, ohne unmittelbar 
Gehilfe des Verrocchio zu sein, ganz unter 
dem Eindruck der Arbeiten Verrocchios steht. 
Botticini gehört nun auch das schöne 
Aliarbild in der Akademie zu Florenz an, 
auf dem die Erzengel den kleinen Tobias 
mit dem sonderbaren Augenbalsam zum 
kranken Vater heimgeleiten LAbb. 67J. Das 
Bild für die Kapelle des Gino Capponi 
in St. Spirito zu Florenz gemalt, trägt 
schon seit dem sechzehnten Jahrhundert den 
geläusigeren Namen Botiicelli; man begreift, 
wie leicht die Verwechslung stattfinden 
konnte. Weniger begreiflich ist, wie sich 
diese freie, großartig feierliche Komposition 
bei einem Meister vorfindet, der nirgends 
sonst über die Tradition und über eine 
ängstliche Symmetrie hinausgekommen ist. 
Wir werden dies nur dahin erklären 
können, indem wir an Verrocchios geistigem 
Anteil festhalten und nur die malerische 
Ausführung Botticini zukommen lassen. 
,,Die Wanderung des jungen Tobias 
mit einem Engel oder auch mit dreien ist 
vorherrschend, wenn auch nicht ausfchließ: 
lich für das Haus gemalt worden als 
Empfehlung eines bestimmten Jünglings in 
den himmlischen SchuhU CBurckhardtJ. Viel: 
leicht darf man auf unserem Bilde an den 
kleinen Alessandro Eapponi denken, den 
leHtgeborenen der zehn Kinder des Gino 
und der Maddalena, der schon in jungen 
Jahren nach Lyon ging, um dort die kauf: 
männischen Interessen der Familie zu ver: 
treten. Da stellten sie denn daheim in 
der Familienkapelle sein Bild auf, wie 
er unter dem Geleit der Erzengel auf den 
rauhen Pfaden der Fremde des Weges 
schreitet. 
Der Vorwurf bot alles, was das Herz 
eines Malers aus der zweiten Hälfte des 
Quattrocento erfreuen konnte. Lauter junge, 
anmutige Gestalten. Die Bewegung leicht 
und lebhaft, die. seelische Verknüpfung zart 
und innig, die Gewänder maunigfaltig und 
reich, die Landschaft lockend. Nicht ganz 
ist dieser Reichtum von der Kunst des 
Malers erfchöpstnworden. Geschickt wechselt 
die paarweife Ahnlichkeit der männlichen 
Typen im Michael und im Tobias und 
der weiblichen bei Raphael und Gabriel 
ab; aber die Anmut ihrer Gesichter hat 
etwas Befangenes, Unfreies. Die Hände, 
in denen so viel eingehendes Studium ver: 
rocchioscher Formengebung sich offenbart, 
wiederholen sich mehrfach in ihren Stel: 
lungen; ein Pentiment an den Händen
        

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