Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Verrocchio
Person:
Mackowsky, Hans Verrocchio, Andrea
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3552066
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3553125
Repräsentant seines Standes vor allem dar: 
gestellt werden. Auch dies wieder ein Zug, 
der Verrocchio zu einem unmittelbaren Vor: 
läufer der klassischen Kunst macht; die ge: 
wichtige Erscheinung galt der Hochrenaifsance 
unbedenklich mehr als die individuelle Treue. 
Wie Michelangelo in den Feldherren der 
Medicigräber, hat auch Verrocchio den 
Charakter, nicht die flüchtige Erscheinung 
der Persönlichkeit festgehalten. 
Köpfe, in denen das bis zur Wildheit 
gesteigerte Herrische sich aussprach, hatte 
Verrocchio schon im Silberrelief der Ent: 
hauptung des Täufers geschaffen. Er 
brauchte nur auf Typen, wie die beiden 
streitenden Feldhauptleute dort zurückzu: 
greifen, um die Grundform des neuen Cha: 
rakterkopfes zu erfassen. Aber einen Zug 
mußte er jetzt zur Dominante erheben, der 
den rohen Hauptleuten des Herodes nicht 
eignete: die Überlegenheit einer hohen Jn: 
telligenz. Sie bändigt die rücksichtslose 
Entschlossenheit in diesem Feldherrnantlit;,, 
sie glänzt aus den drohenden Augen, sie 
hat den befehlenden Mund mit einem Zug 
von Weltverachtung umschürzt CAbb. 56J. 
Verrocchio hat das Alter gewählt, in dem 
die Thatkraft noch ungebrochen Stand 
hält gegenüber den ersten Anzeichen, ab: 
nehmender körperlicher Frische, jenen Uber: 
gang, der das Heldenhaste als die Aus: 
strahlung eines unbeugsamen Willens er: 
scheinen läßt. Das Fleisch verliert schon 
seine Festigkeit, hängt herab, die Falten 
vertiefen sich, aber das innere Feuer lodert 
in alter Glut.  
Gegenüber der sorgfältig aus die Ein: 
zelheiten Bedacht nehmenden Modellierung 
des Pferdekörpers erkennt man in diesem 
nur in den großen entscheidenden Formen 
angelegten Kopf kaum die gleiche Meister: 
hand. Es sind denn auch Stimmen laut 
geworden, die den ganzen Reiter für Leo: 
pardi beansprucht haben, andere, die an 
eine Mitarbeiterschaft des seit 1481 
nirgends recht nachweisbaren Leonardo 
dachten. Wer Leopardis zierliche, aus: 
schließlich dekorative Art kennt, wird die 
erste der beiden Zumutungen ebenso ent: 
schieden abweisen, wie die zweite hinfällig 
wird durch den neuerdings festgelegten 
Thatbestand, daß Leonardo seit 1481 am 
Reiterdenkmal des Ssorza in Mailand 
thätig ist. Und schließlich, für das Roß 
galt es Aufzeigung genauer Kenntnisse 
und Belebung großer Flächen; der Reiter: 
kopf mußte schon wegen der Wirkung aus 
der Höhe in großen allgemeinen Formen 
gehalten werden. 
Acht Jahre erst nach des Meisters 
Tode, am 21. März 1496 konnte das 
Denkmal enthüllt werden. Seit jener 
Zeit haben die Parteien fast ununterbrochen 
gewühlt, das Werk des Ausländers dem 
Verdienst eines Einheimischen zuzuschreiben. 
Das Werk selbst hat alles verleumderische 
Gerede zu schanden gemacht. Dem Floren: 
tiner, niemand wagt es mehr zu bezweifeln, 
verdankt die Welt ihr großartigstes Reiter: 
denktnal. Derselbe Verrocchio, der in dem 
Werke seiner Jugend, im David, den 
Morgenglanz jungen, kaum sich selbst be: 
wußten Heldentumes darstellte, hat in 
seinem legten den Helden in seiner Voll: 
endung verkörpert. Seine Leistung hat 
niemand übertroffen, aber auch kaum 
einer hat seine noch unerfahrene Kunst 
an ihr geschult. Leonardos Francesco 
Sforza ging im Modell zu Grunde, und 
so bleibt Albrecht Dürer der Einzige, der 
mit feinem ,,Ritter Tod und Teufels 
Zeugnis bringt, mit welch staunender Be: 
wunderung einer der Größten emporgeblickt 
hat zur ,,statua, genti1issima del grau com: 
mendat0reH. 
 XIV. 
Die Gestalt des Malers Verrocchio 
läßt sich nicht mit der gleichen Schärfe 
herausarbeiten wie die des Bildhauers. 
Das Material ist ein unvergleichlich be: 
schränkteres, und was mühsam aus der 
Zerstreutheit wieder zusammengebracht 
worden ist, gibt noch Veranlassung zu 
manchem Zweifel. Zwar ist man sich im 
großen und ganzen einig über das, was 
unter den künstlerischen Begriff Verrocchio 
fällt, was aber als des Meisters Eigenstes 
anzusehen sei, blieb noch unentschieden. 
Man schwankt auch hinsichtlich der Wert: 
schäHung dieser Malereien. Dem kindlich: 
anmaßenden Urteil eines französischen Ge: 
lehrten: Verrocchio hätte klüger gethan, 
überhaupt die Finger von nPinfel und 
Palette zu lassen, steht die Uberfchähung 
alles, das Verrocchios Namen trägt, schroff 
gegenüber.
        

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