Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstlerisches aus Briefen Friedrich Prellers des Älteren
Person:
Witting, Walther
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3454417
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3455316
Rom, den 14. April 1860. 
    Ein vortrefflicher Sänger braucht noch lange kein 
Musikverständiger zu sein, von dem man vieles erlernen kann. 
Die meisten dieser Leute sind es in Wahrheit auch nicht, sondern 
durchschnittlich rohe und in hohem Grade ungebildete und ver: 
dorbene Subjekte. Wenn das hart klingt, so ist es doch nicht 
mehr, als ich durch vieljährige Bekanntschaft mit derart Leuten 
gesehen habe. Eine wahrhaft ehrenwerthe Erscheinung unter diesen 
Leuten gehört zu den größten Seltenheiten. Ich habe meine Ab: 
neigung gegen diese Bretterhelden nicht aus der Luft gegriffen, 
sondern könnte mit vielen Erfahrungen in dieser Sache dienen. 
Wie wenig dazu nöthig ist, wenn man Stimme und Instinkt hat, 
beweisen alle, die sich dem Fach ergeben, denn in wenigen Jahren 
kommt stets eine solche Größe zu Stande, was sonst in keiner 
Kunst vorkommt.       Ich bin deutsch geboren und ich ehre 
alles, was zu verehren ist, aber ich bin Künstler und der hat sein 
eigentliches Vaterland hier. Was mir dort lieb und theuer gewesen 
und geworden, ich habe es hier keinen Augenblick vergessen und 
werde es mit aller tiefen Liebe wieder umfassen, ja mehr lieben 
als je und will nur wünschen, daß man mich nicht schief be: 
urtheilt. So ist mein Leben sonderbar getheilt zwischen wahrster 
innigster Liebe des Vaterlandes und dessen, was es umschließt 
und der Liebe zu Italien, die nur der in dem Maße begreifen 
wird, dessen ganzes Sein mit der Kunst bis in7s Jnnerste ver: 
wachsen ist.  
Rom, den 21. April 1860. 
. . .   Endlich sind auch die letzten Osterfeierlichkeiten, die 
sich durch das uubeständige Wetter verspätet hatten, glücklich vorüber 
und Rom ist wieder das alte ernste geworden. Ich meine die 
Kuppelbeleuchtung und Girandola; von beiden ist viel erzählt und 
geschrieben worden. Jch selbst habe oft Gelegenheit z1tHause ge:
        

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