Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Künstlerisches aus Briefen Friedrich Prellers des Älteren
Person:
Witting, Walther
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3454417
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3454780
irgend ein Zeuge seiner göttlichen Abstammung der Menschheit 
übrig bleibt. 
     Aus Rasfael zurückkommend, muß ich Ihnen noch sagen, 
daß Sie in der heiligen Katharina eines seiner guten Werke aus 
der dritten ganz vollendeten Periode kennen, obgleich das Bild 
weniger ausgeführt sein soll, als er meist in der Zeit gethan. 
Es gehört in die Zeit des Papstes Julius 11., der diesen 
herrlichen Jüngling kennen gelernt und ahnen mochte, welch7 götts 
liches Feuer ihn durchglühte. Als er Rasfaelis erste Arbeit in 
den Stanzen des Vatikan sah, rief er erstaunt aus: ,,Hat dies 
dieser junge Mensch gentachtPU Rasfael gab schüchtern knieend sein 
,,JaU. Darauf sagte Julius: ,,Hat Dich Gott vor allen Anderen 
so hoch begabt, so nimm den Segen eines alten Mannes auch 
hin, Du herrlicher Knaben. Mit diesem Segen arbeitete und schuf 
er so unendlich viel Herrliches, bis er im 37. Jahre seines Lebens 
endete. Nie wird ihn jemand erreichen. Er ist in christlicher Zeit 
eine der drei Spitzen, aus die nichts mehr zu setzen ist. 
Kurz darauf erblühte im Venezianischen eine Schule, deren 
Haupt Tizian ist. 
     Sie unterscheidet sich wesentlich von der römischen. 
Die Römer zogen den Himmel zur Erde nieder. Gott wurde im 
Menschen sichtbar und verständlich redet er zum ganzen Geschlecht. 
Die Venezianer haben diesen Weg verlassen; ihnen ist der Mensch 
als solcher genug. Sie geben ihn in allen Nuancen bis zur 
tiefsten Tiefe und in größter Vollendung: jenes Entzücken, jene 
himmlische Sehnsucht ist verschwunden und an ihre Stelle tritt der 
herrliche Mensch mit allen seinen irdischen Tugenden und Fehlern. 
Als hochbegabter Mensch tritt Tizian an die Seite der drei 
ersten Herden und gesteht ihnen ohne Hehl seine andere Gesinnung. 
 IV OF  
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