Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3451461
Prinzipien verbinden sich zu einer höheren Einheit, deren sich jeder aus: 
übende Künstler, wo er auch stehe, bewußt sein muß, namentlich kann 
nicht genug auf die lebendige Erfassung der strengen Gesetze in der Bau: 
knnst hingewiesen werden, denn sie geben, wohl verstanden, überall eine 
sichere Grundlage für Anschauung, Urtheil und Erfindung. Aus der Ver: 
einigung der Künste in ihren Werken spricht ein höheres Ganze und nur so 
gelangt jede an ihren wiirdigsten Ort, zu ihrer höchsten Aufgabe. Nichts 
Höheres giebt es in der Plastik, als den Tempelschmuck der hellenischen Heilig: 
thümer zu Olympia und Athen, nirgend ist die Malerei größer als da, wo 
sie Wand: und Deckensltichen eines schönen Raumes schmückt: der sixtinischen 
Kapelle, den Stanzen des Vatiean oder den Göttersälen der Glyptothek, 
und wo ein Bauwerk zu wahrhafter Schönheit nnd voller Monnmentalität 
nnd Hoheit gelangen soll, müssen die Schwesterkünste ihm den Kranz des 
plastischen und bildlichen Schmuckes reichen, wie im Museum und dem 
Schanspielhause zu Berlin. Wie aber die Architektur mit dem Handwerk 
zusammenhängt, so weist die Malerei durch ihre Gabe, Vorgänge des innern 
Menschen, die nur in der Zeit existiren, dennoch riiumlich anschaulich zu 
machen, bereits auf die Dichtkunst und Musik, die tönenden Künste, 
hinüber. So könnte es scheinen, als ob die Künste in einander über: 
spielten, die Baukunst zur Bildhauerei durch das Plastische Ornament und 
den figiirlichen Schmuck, die Bildnerei zur Malerei durch das Hochbild 
nnd die einfache Zeichnung, ; aber dennoch sind ihre Grenzen fest gezogen 
und müssen inne gehalten werden, denn wenn eine der Künste, ihre Be: 
ding1mgen und ihre Darstellungsmittel vergessend oder überspringend, auf 
das Gebiet der andern ihr vorgesetzten überschreiten will, werden ihre 
Werke unwahr und abstoßend; wenn die Baukunst individualisirend oder 
die Bildhanerei n1alerisch sein wollen, sind sie nicht mehr zu billigen und 
ihre Werke gefallen nicht mehr einem edlen Gesehmacke. Wenn dagegen 
die Malerei statutarisch oder architektonisch zeichnet, wenn die Bildnerei 
architektonisch gestaltet, so ist dies zwar eine Beschränkung der kiinstlerischen 
Fähigkeit, aber die Werke tragen Ernst und Würde in sich, wie bei den 
verschiedenen Arten der Auffassung Es. 6. Abschnitt: AufsassnngJ noch näher 
UUsgeführt wird.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.