Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3451448
so auf die Möglichkeit der umfangreicheren Uebung einer mit weitergehenden 
Mitteln ausgeriisteten Kunst hin. 
Diese ist die Malerei. Sie giebt die Körperlichkeit der Ba11ku1istM.nk.s2i 
nnd Bildhauerei auf, und opfert die reale Wirklichkeit, deren Schein sie jedoch 
bis zur Täuschung durch andere Mittel dennoch wiederum erreicht. Sie ist 
in die Fläche, die ebene oder gekrümmte, zuriickgetreten, und ihr Dar: 
stellungsmittel ist die Farbe. Wie die Dinge dem Auge erscheinen, die 
ja immer nur von einem Punkte ans, also nur in ihrer einen Seite mit 
einem Male gesehen werden können, will sie dieselben auch im Bilde 
erscheinen lassen. Wenn man hinter der sichtbaren, also für das Auge 
der vorderen Seite der Dinge eine senkrechte Wand sich aufgerichtet denkt, 
so wurde diese die Grundfläche des Bildes vorstellen. Sie wird aber 
erfüllt mit den sichtbaren Vordersciten der Dinge und zwar so, daß die 
im Raum weiter zurückliegenden kleiner erscheinen, als sie wirklich sind. 
Diesen Schein giebt auch das Bild wieder und man bezeichnet ihn mit 
dem Namen Perspective. Ein Werk der Malerei ist also eine 
auf der Fläche bewirkte Darstellung von Gegenständen, 
welche durch Farbe und Perspective den Schein voller 
Wirklichkeit erzielt, natürlich dies unter den allgemeinen Bedingungen 
des Kunstwerkes verstanden. 
Durch die Möglichkeit, in unbeschränkter Weise den ganzen 
Umfang der Wirklichkeit darzustellen, besitzt die Malerei zugleich 
die Mittel, das innerste Seelenleben, die zartesten Regungen, überhaupt Ideen 
von der riihrendsten Bescheidenheit bis zur höchsten Größe, soweit sie über: 
haupt räumliche Form annehmen, zur Anschauung zu bringen. Sie bietet 
zur unn1ittelbarsten Verkörperung einer Idee die Hand nnd weiß sie mit 
staunenswerther Leichtigkeit in die Erscheinung zu setzen. Die Farbe ist 
ihr Stoff, nnd schon wenige Züge mit dem Bleistift auf Papier entworfen, 
sind erst dadurch und haben erst dadurch Erscheinung, daß sie sich durch 
ihre Farbe von dem Papiergrunde absetzen. Das verschiedene Farben: 
material bedingt aber die Erscheinung eines malerischen Werkes, indem 
dasjenige, welches nur mit einer Farbe auf einem bestimmten Grunde 
gezeichnet ist, den Schein der Wirklichkeit nur zum Theil erreicht, und ihn 
d1MkJ die Anlage der Schatten, die Schattengebung, zu gewinnen suchen 
Muß; dasjenige aber, welches in mehreren Farben ausgeführt ist, wiederum 
dUkEh Die sWffkktkJe Beschaffenheit dieser Farben einen verschiedenen Charakter 
erhält. Denn die verschiedenen Farbenstoffe fordern auch Malflächen von 
verschiedenen Stoffen. Die Art der Farbenmischung, der Zurichtung nnd 
NVkbUUA, M AUfkMgU11g und der Behandlung im Einzelnen hat dann 
wiederum einen so bedeutenden Einfluß auf das Eolorit, d. h. die Farbe
        

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