Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3454170
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Stelle von Knnstblättern schließlich trotz der großen anfgewendeten Kosten 
nur etwas verbesserte Tuschbilder zum Vorschein kamen. Auch erfordert 
das Heranslesen und Vertheilen der Farben des Originales auf die einzeli 
neu Platten, wie ebenfalls die Mischung der Druckfarben ein so empfind: 
sa1nes und für Farbenwirkung geiibtes Auge, das ,,AufnadelnH des Papier, 
blattes auf eine große Zahl von Steinen eine so sichere Hand, daß bei der 
mühsamen und langwierigen Arbeit sich nicht viele Lithographen nnd Drucker 
finden, die, einander verstehend und ergänzend, ihrer Aufgabe vollkommen 
gewachsen sind. 
4J Die Photographie. Wenn im Kupferstich, dem Holzschnitt 
und dem Steindruck stets eine Platte, eine Form verlangt wurde, die nur 
durch eine künstlerische Thätigkeit hergestellt werden konnte, und wenn selbst, 
wie wir so eben noch sahen, beim Druck eine gewisse Begabung sich zu 
erkennen geben muß, so fällt jedes künstlerische Arbeiten bei der Photo: 
graphie fort. Die Natur arbeitet und der Mensch lenkt 
diese Arbeit nur auf gewisse Ziele und leitet sie; er thut hier einer: 
seits der Natur Handlangerdienste, indem er die Stoffe, worauf diese 
arbeiten soll, bereitet, andererseits beherrscht er sie, da er ihr Zeit, Ort 
und Maß vorschreibt. Im Weis en der Photographie aber liegt schlechi 
terdings nichts Künstlerisches, und wenn sie zur Darstellung von 
kiinstlerisch wirksamen Gegenständen benutzt wird, so wird sie selbst darum 
eben so wenig künsilerisch, als sie anato1nisch wird, wenn sie anatomische 
Präparate, oder als sie militärifch wird, wenn sie Sehanzen, Gesehütze 
und Geschosse vervielfältigt. Immerhin ist bei allem, was der Photograph 
vervielfältigt, soviel Verständniß der Sache nöthig, daß er den Gegenstand 
auch von der rechten Stelle, im rechten Lichte aufnimmt, und da dies bei 
kiinstlerisch wirksamen Dingen nur geschehen kann, wenn er selbst einiges 
künstlerische Verständniß besitzt, so spielt durch diese lose Berührung die 
Photographie als erzengende Thätigkeit in das Kunstgebiet hinüber. Man 
könnte sie ein Kunsthaudwerk nennen, wenn sie nicht durch die Dienste, die 
sie der Kunst leistet, dieser doch näher stünde, als die Kunsthandwerke sonst. 
Denn es läßt sich nicht bestreiten, daß trotz des fast ganz unkünstlerischen 
Verfahrens der Photographie, ein großer Theil ihrer Erzeugnisse von 
unbestrittenem, in gewissem Sinne einzigen Kunstwerthe ist, und daß 
keine andere Vervielfältigungsart an Bequemlichkeit und Zuverlässigkeit 
diese erreicht. Sie hat sich der Kunst in der kurzen Zeit seit ihrer 
Erfindung unentbehrlich gemacht, und keinem anderen Zweige der mensch: 
lichen Thätigkeit hat sie so wirksam gedient, wie der Kunst; denn nicht 
nur, daß sie der Forschung eine große Zahl von Ansichten und Ausnahmen 
ferner, entlegener nnd werthvoller Bauten nnd,Denkmiiker in unbedingt
        

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