Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Grundriß der bildenden Künste
Person:
Riegel, E. Herman
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3450548
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3454147
299 
wendig abstehen muß. Der gefiihllose Stein klingt im Abdruck nach, und 
die einzelne Linie ist durch das Korn des Steines ganz um den geschn1ei: 
digen Schwung und die elastische Weiche gebracht. Dafür ist der Stein: 
stich aber bei der Herstellung von Landkarten, Baurissen nnd dergl. an  
seiner Stelle. 
Ungleich selbstständiger als in diesem übertragenen Verfahren zeigt sich Tod .3eikhs 
der Stein da, wo die Zeichnung nicht vertieft, sondern erhaben gegeben neKilciIIY.1M 
wird, denn darin ist er ganz eigenthiimlich, daß er von einer aufs einer 
Oberfläche gemachten Zeichnung Abdriicke liefert. Die Anfertigung 
dieser Zeichnung aber bietet schlechterdings keine Eigenthiimlichkeiten, so 
daß derjenige, welcher mit der Feder, dem Tuschpinsel und der Kreide auf 
Papier arbeiten kann, auch ohne Weiteres im Stande ist, auf dem Steine 
zu zeichnen, denn die Unbequemlichkeit, daß die Zeichnung links oder um: 
gekehrt wie im Spiegelbilde gemacht werden muß, überwindet er bald, und 
etwaige praktische Handgriffe eignet er sich schnell an. Wenn der Maler 
hierdurch Gelegenheit findet, seine Arbeiten selbst als Originale auf den 
Stein zu bringen, so gewinnt das Verfahren zwar an Werth, aber ur: 
sprünglich kiinstlerisch kann es im vollen Sinne doch nicht werden, da die 
Herstellungsart der Zeichnung selbst eine entlehnte ist nnd mit dein Stoff 
des Steines in keinem inneren Zusammenhange steht. Die Originalsteinzeich: 
nung, so viel Verwandtes sie auch mit der Kupferradirnng haben mag, 
unterscheidet sich von dieser doch wesentlich dadurch, daß sie auf der Ober: 
fliiche bleibt, nnd den Stein nur als Zeichnengrund wählt um seiner Druck: 
eigenschaften willen, daß hingegen die Radirung in den Stoff selbst mit 
einem nur ihr eigenen Werkzeuge, der Nabel, kiinstlerisch eindringt, und im 
Abdrucke die Eigenthiitnlichleiten des Kupfers durchklingen läßt. So kommt 
es, daß ein Steindruek stets hinter der Zeichnung desselben Gegenstandes 
von demselben Künstler znriicksteht, wiihrendidie Radirung durch eine9Fe: 
derzeichnung im Allgemeinen nicht ersetzt werden kann. 
Um auf einem Stein zu zeichnen, wird derselbe mit feinem 
Silbersand gerieben, so daß die Oberfläche rauh erscheint nnd das Korn 
des Steines zeigt, weshalb man diesen Vorgang auch das Körnen nennt. 
Er bezweckt die leichte Annahme der Zeichnenstoffe, die auf dem rauhen 
Grunde natürlich eher und sicherer einen Strich geben, als auf dein glatt 
polirten. Die schwarze Kreide nnd die Tasche, welche man bei Papier: 
zeichnnngen anwendet, werden durch künstliche PI7äpsMtE Alls Fett, Laut: 
pcurus3, Wachs nnd ähnlichen vielfach abwechselnden Zusagen hergestellt, 
m1d heißen, obwohl sie eigentlich weder Kreide noch Tasche im herkömm:  sY1ss1Z;; 
lichen Sinne sind, dennoch lithographische Kreide und lithographische sM1sss1s1gs 
oder chemische Tasche. Jene schneidet man in Stiftform, bei dieser
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.